7. Juli
Da wir am letzten Tag nach 69 Kilometer nicht mehr geglaubt haben, dass wir am 7. Juli Istanbul erreichen, hatten wir keine großen Erwartungen an diesen Tag. Wir hielten alle den Ball flach. Soweit wir kommen, kommen wir. 30 Kilometer nach Corlu - das übrigens nicht zu den optischen Schmuckstücken der Region zählt, Slums besitzt und nach chemischen Giftstoffen riecht - beginnt die Küste. Und auf ein bisschen Plantschen im Meer, darauf hatten wir alle große Lust.
Peter hatte sich vorsorglich schon die Badehose angezogen und wollte aufgrund seines harten Sattels diese Strecke im Wiegetritt zurücklegen. Wir zogen Hügel um Hügel dem Meer entgegen. Die Steigungen wurden flacher und man spürte einen leichten salzigen Windhauch. Endlich nach 35 Kilometer tauchte die Küste auf, aber erst nach weiteren 15 Kilometer als wir Silivri erreichten, konnten wir ins Meer abtauchen. Toll, seinen ganzen Körper unter Wasser zu tauchen, ausladende Bewegungen zu machen, die andere Muskeln strapazierten , die man beim Radfahren nicht braucht.
Nach zwei Stunden ging es weiter, die Küstenstraße entlang. Immer flach, Aussicht auf das blaue Nass und man roch das angeschwemmte Seegras. Die Kilometer nach Istanbul schmolzen dahin.
Aber irgendwann, wurden keine Kilometerangaben mehr auf den Schildern nach Istanbul angezeigt. Wir wussten, dass wir nach ca. 100 Tageskilometern Istanbul erreichen sollten. Hatten wir die Vororte von Istanbul erreicht? Wir konnten es nicht sagen, denn mein Garmin konnte die Gegend nicht mehr darstellen. Er zählte nur mehr die Höhenmeter und die Kilometer. Vor Istanbul wurde es nochmal sehr hügelig und die Straße verbreitete sich zusehends. Auch der Verkehr wurde mehr. Bald zählte ich 6 Spuren in eine Richtung, manchmal verengte es sich wieder auf 5 Spuren. Auf der gegenüberliegenden Seite staute es sich aus der Stadt heraus. Als bereits der Mond glutrot über uns gestanden ist, nahmen wir eine Ausfahrt und fragten 3 Passanten nacheinander, wo das Zentrum von Istanbul sei.
Nach weiteren 12 Kilometern hatten wir es erreicht und Martin zeigte uns ungefähr, wo er die Jugendherberge vermutete. Leider konnte er sich nicht mehr genau erinnern in welcher Straße sie war und wie das Hostel eigentlich hieß. Aber bei einer 20 Millionen Stadt ist das sicherlich nicht so schwer zu finden. Also cruisten wir um 23 Uhr noch ein bisschen durch die Gässchen, bis wir bei der Hagia Sophia angekommen waren. Ein Keiler sprach uns an und vermittelte uns eine Herberge für 20 Euro die Nacht pro Person und er gab uns ein Visitenkärtchen mit. Martin meinte, seine wäre günstiger und so fuhren wir noch ein paar MInuten im Kreis, bis wir ein günstiges Quartier für eine Nacht gefunden haben.

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