5. Juli
Der Tag begann heiss. Sehr heiss. Ich trank bereits in der Früh 1 Liter undefinierbaren Fruchtsaft und war ein bisschen aufgeregt. Heute ging es schließlich nach Edirne in die Türkei und ich wußte nicht, was uns an der Grenze erwarten würde: Stau, Komplikationen wegen des Visums, wegen unserer Fahrräder, etc. Aber zuerst ging es einmal Richtung Grenze.
Wir fuhren die Europastraße, die ganz dick in der Landkarte eingezeichnet war. Einen Kilometer parallel daneben führte die Autobahn ebenfalls an die Grenze. Ich erwartete mir, dass wir es mit sehr viel Schwerverkehr zu tun haben würden und uns ein LKW nach dem anderen abdrängen würde. In mehreren Reiseblogs im Internet war zu lesen, dass entlang der Straße sehr viele Bettler stehen würden und dass es hier einen florierenden Straßenstrich gäbe. Doch weit gefehlt! Die Fahrt war sehr relaxt! Die wenigen Roma, denen wir begegneten, winkten uns ganz freundlich von ihren Fuhrwerken zu. Sie transportierten frisches Heu oder Melonen.
Entlang der Strecke sahen wir sehr viele aufgelassene Lokale. Der Verkehr hatte sich auf die Autobahn verlegt und die Bewirtung der Strecke schien sich für die meisten Restaurantbesitzer nicht mehr zu rentieren. An einen der wenigen Raststätten machten wir halt und tranken eiskaltes Cola. Die Betreiber waren ein lustiges Grüppchen. Obwohl sie kein einziges Wort Englisch oder Deutsch verstanden, unterhielten wir uns prächtig und ich zeigte ihnen unsere ausgedruckte Route.
In dieser Gaststätte machten vor allem türkische LKW-Fahrer halt und tranken ihren Tee.
Kurz vor der Grenze hatte Martin seinen ersten Patschen.
Gottseidank gleich neben einer Bank und einem Baum, sodass wir gemütlich an seinem Rad herumwerken konnten. Wir? Falsch! Unser großer Technikfreak Peter wechselte in Windeseile den Reifen. Martin und ich leisteten Assistenzdienste. Und kaum fertig radelten wir auch schon wieder weiter an die Grenze.
Dafür mussten wir aber die Autobahn benutzen, was aber aufgrund des gut ausgebauten Pannenstreifens und der bedächtigen Autofahrer kein Problem war.
2 km vor der Grenze winkten uns Polizisten zu, die gerade mit der Geschwindigkeitskontrolle beschäftigt waren und wünschten uns eine gute Reise. Die Bulgaren sind ein sehr freundliches, relaxtes Völkchen und mit Wehmut denken wir an diese Zeit zurück. Es war alles so billig.
Wir bemerkten sofort, dass sich zwei Dinge seit der Grenze verändert hatten: 1. die Autofahrer hupen ganz freundlich und wünschten uns einen schönen Tag oder eine gute Reise und 2. die Türkei ist teurer als Bulgarien. Und ein dritter Punkt wurde uns erst ein bisschen später bewusst: Man darf in der Nähe einer Moschee kein Bier trinken. Martin wollte sich nämlich auf einem Marktplatz ein Efes genehmigen bzw. kaufen und fragte ganz artig, ob er das dürfe. Der Verkäufer wusste es nicht und innerhalb von 2 Minuten war er umringt von mindestens 7 anderen türkischen Männern, die ihm die Lage in der Türkei bzw. im islamischen Raum erklärten.
Nach einer kleinen Stadtbesichtigung (Edirne ist eine ehemalige Verwaltungshauptstadt mit einer wirklich schönen Moschee) und des Handwerksviertels fanden wir in einem Nebengässchen tatsächlich für Martin ein Lokal, wo Bier frisch ausgeschenkt wird. Unsere kleine Wäschewaschaktion am Abend verlief leider nicht ganz erfolgreich. Unsere Wäsche war leider bis zum nächsten Morgen noch nicht trocken und miefte trotz kräftigem Einsatz von Waschmittel noch immer nach hartarbeitenden Mann.

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