3. Juli
Wir wussten, dass wir an diesem Tag einen kleinen Anstieg zu Beginn der Tagesetappe zu bewältigen hatten. Auf den ersten 10km ging es 300 Höhenmeter rauf nach Borovets, einen beliebten Ski- und Wanderort der sportlich aktiven Bulgaren. Um diese Steigung bewältigen zu können, schlugen wir uns beim Frühstück schon die Bäuche voll, wie es in den frühen Jahren der Tour de France üblich war. Wir waren die einzigen Gäste des Hotels, denn es gab 3 Eier, eine kleine Platte mit Schinken, Käse und Oliven. Das besondere Highlight war aber die frischen Palatschinken!!! Peter musste davon mehrere schmausen. Martin und und ich übten uns in nobler Zurückhaltung.
Nach den letzten Adjustierungen an unseren Fahrrädern und kleinem Geschäckere mit der hübschen Rezeptionistin (Martin musste sich 3 Mal verabschieden gehen), cruisten wir zum Billa 200 Meter entfernt. Das beste bulgarische Mineralwasser ("Devin"), glasklar und lauwarm wurde literweise verstaut. Martin kaufte mir zur Motivation ein Mars, das ich sicherheitshalber in einem Plastiksackerl verstaute, denn der physikalische Aggregatzustand "fest" verwandelt sich relativ bald bei 35 Grad zum Zustand "flüssig".
Eigentlich war die Auffahrt nach Borovets nicht der Rede wert.
Wir glitten langsam bergauf,betrachteten die Wälder, fanden Hinweisschilder, dass man sich in dieser Gegend günstig Häuser und Appartments kaufen konnte und tranken das gute Devin.
Doch dann - plötzlich spitzte Peter die Ohren. Aus 500 Meter Entfernung hörte er eine Shimano-Ultegra Schaltung surren. 2 schnittige Rennradlerinnen fuhren im Wettkampfdress an uns vorbei. 2 Minuten später realisierte Peter, was er gerade gesehen hatte und ihm widerfahren ist. Er ist überholt worden!!! Sofort zog er das Tempo an. Und als auch noch der Trainer der beiden Radlerinnen an uns vorbeiglitt, war es endgültig vorbei! Peter holte noch mal tief Luft, sagte: "Komm Martin, den holen wir uns" (gemeint hatte er wahrscheinlich: DIE holen wir uns)" schaltete auf einen hohen Gang (denn mit dem kleinen Kranzerl ist noch kein Beregfahrer berühmt geworden) und zog an. Martin folgte aufs Wort. und ich rief noch schnell hinterher: "Wir treffen uns oben". Den Zusatz: "Ich muss noch ein paar Fotos machen" vernahmen sie schon nicht mehr. An einer Straßenkreuzung versuchte ich die Anweisung zu lesen, als mir zwei Mountainbiker mit "Ahoi!" begegneten. 2 Tschechen waren auf Tagestour in Borovets. So international ist dieser Ort!
Nachdem ich den höchsten Punkt der Auffahrt erreicht hatte, machte ich 2 Fotos meines Garmins, denn auf 1.300 Meter werden wir auf unserer Tour wahrscheinlich nicht mehr kommen.
Peter und Martin hatten bei ihrer Verfolgungsjagd eine andere Abzweigung genommen und fuhren nach einer Viertelstunde bei meinem Rastplatz vor. Martin meinte, er bräuchte dringenst Visitenkarten. Er hatte zwar die Radlerinnen nicht mehr eingeholt, aber für alle möglichen zukünftigen Fälle!
Wir genossen die Abfahrt ins Tal. Es gab mehrere Losungen: 1. Bremsen schonen, 2. wenn möglich keine 3-stellige km/h Angabe auf dem Tacho (zur Beruhigung von Tante Kathrine und Papa-Oma in Wien), 3. wenn doch, dann nicht hinschauen und nur mir berichten. Im Endeffekt konnte Peter eine Spitzengescchwindigkeit von ca. 60km/h erzielen. Martin gar keine, weil er seinen Tacho in Wien vergessen hatte. Aber wahrscheinlich war er genauso schnell wie Peter.
Es ging immer weiter das Tal entlang. Wir kamen durch ruhige, kleine Ortschaften, durch eine größere mit einer Papierfabrik, die sich auf Klopapier spezialisiert hat, denn das gab es in Riesenpackungen alle 300 Meter wohlfeil zu kaufen.
Bereits um 18 Uhr erreichten wir Pazardzhik unser Tagesziel. Und was macht man um diese Zeit in Pazardzhik? Man geht zu einer Tankstelle, kauft sich ein Cola, Kaffee, 3 Packungen Sandwiches (die letzten) und bespricht die Lage. Es war uns eindeutig zu Früh zum Schluss machen. Die Endorphine der Abfahrt hatten uns in ein tolles Glücksgefühl versetzt und so beschlossen wir bis Plovdiv weiter zu fahren.
Die Einfahrt nach Plovdiv ist nicht wirklich spannend. Manche Großstädte gleichen sich. Udine, Brunner Straße in Wien, Triest, etc. Wir nahmen das erstbeste Hotel und waren um 22 Uhr alle im Bett.

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