2. Juli
Ein gutes Frühstück lässt den Tag gleich positiv erscheinen. Peter musste noch seinen neuen Fahrradcomputer applizieren und einstellen. Mit ein bisschen Tixo und dem richtigen Radumfang erzielt er nun dieselben Geschwindigkeiten und gefahrenen Kilometer wie mein Garmin. Und das ist gut so, denn doppelt hält besser. Um ca. 11 Uhr (Ortszeit) ging es dann los.
Von der österreichischen Botschaft über den Boulevard in die Fussgängerzone. Dort besorgten wir uns ausreichend Proviant für den Tag (Kekse, Sprite, Wasser, Cola).
Die Fahrt aus einer großen Stadt verläuft immer langsam, denn man muss sich an die Verkehrsregeln halten und auch die öffentliche Busse in Kehrtwendungen miteinberechnen. In Sofia sind die Boulevards (die großen Schnellstrassen aus der Stadt hinaus) schon ganz super! 3 Spuren, 80er-Beschränkung, keine Kanaldeckel, riesiger Pannenbereich und gute Beschriftung und hervorragender Zustand des Asphalts. Wir haben die Fahrt sehr genossen und die Autofahrer waren wirklich sehr rücksichtsvoll. Kein einziges Mal wurden wir angehupt. Polizisten lächelten uns sanftmütig zu und kontrollierten dafür die Schnellfahrer.
Nach ca 2 Stunden hatten wir die Stadtgrenze erreicht und unsere Route auf der 82er gefunden. Sofort begannen die Kanaldeckel im Boden zu verschwinden (sprich: 30cm Löcher waren keine Seltenheit auf den nächsten 10 km). Durch unsere Erfahrungen aus Serbien vom letzten Jahr wussten wir, dass wir aufmerksam sein mussten. Trotzdem glitten wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h die nächsten Kilometer entlang des ersten Stausees dahin.Links und rechts erhoben sich sanfte bewaldete Hügel und es kam mir öfters die Spar-Werbung mit Mirijam Weichselbraun in den Sinn: "Wie bei uns daheim". Da es noch zu früh für uns zum Baden war, dachten wir, wir heben uns das Gekraule und Geplansche für den zweiten Stausee des heutigen Tages auf.
In einem kleinen Restaurant aßen wir guten frittierten einheimischen Fisch und tranken das beste Bier von Bulgarien (leider ist mir aufgrund des erhöhten Alkoholkonsums der Name dieses isotonischen Getränks entfallen. Und er wird in den nächsten Tagen nachgereicht).
Kaum hatten wir uns die Bäuche vollgeschlagen und uns auf ein gemütliches Weiterradeln eingestellt, musste sich die Straße leicht sadistisch einen kleinen Hügel hinaufwinden. Zwar spendeten uns die Bäume ein bisschen Schatten, aber unsere vollgeschlagenen Wampen wippten rhythmisch mit jedem Pedaltritt. Ich kann zumindest von mir sagen: ich schwitze wie ein Schwein. Peter wirkte sehr ästhetisch (mit frisch rasierten Beinen und Kurzhaarschnitt) und Martin zog wie ein Arbeitstier willfährig das große Zelt die Höhenmeter nach oben.
Das Schwimmen im zweiten See musste leider entfallen, da er 90 Prozent der Strecke nicht zugänglich war. Erst bei einer kleinen Bucht hätte man ins Wasser springen können, aber wir hatten keine Lust: Bei einer kleinen Rast begegneten wir einem älteren Herrn, der uns erzählte, dass er als 16 Jähriger 2 Monate gleich hinter der Wiener Oper gelebt hatte. Ich glaube, er hätte uns noch mehr aus seinem Leben erzählt,wenn nicht seine Damenbegleitung zum Aufbruch gedrängt hätte. So radelten wir km für km weiter bis wir zu einer sehr langen Geraden kamen und meine beiden Wadeln mit Krämpfen kämpften. Peter und Martin waren sehr rücksichtsvoll und verstanden es vollkommen, dass ich nur mehr mit ca. 11 km/h dahinkriechen konnte. Als radfahrende Schnecke bog ich dann zur nächsten Shell-Tankstelle, verschlang ein Eis und 2 Energy-drinks, führte noch ein nettes Gespräch mit dem Tankwart und dann bogen wir nach links ab, auf der Suche nach einem Camping-Platz.
Nach 3 Kilometer gaben wir die Suche auf und radelten in die Stadt Samorov. Auf Feldern vor der Stadt grasten die Pferde der Roma und auch eine kleine Gruppe von Ziegen. Die Gegend wirkte nicht sehr einladend. Manche Häuser wirkten verfallen, manche unfertig. Pferde zogen Karren mit Gerümpel durch die Straßen. Am Hauptplatz fragte Martin nach einem Quartier. Wir genehmigten uns ein Luxus Drei-Bettzimmer um 37 Euro (inkl Frühstück, WLAN) im Hotel Sonata. An diesem Tag hatten wir 69 Kilometer geschafft.
Martin legte sich gleich ins Bett, Peter und ich gingen noch eine Kleinigkeit essen und besprachen die nächsten Tage.

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