Sonntag, 22. Juli 2012


18. Juli
Was für ein herrlicher Anblick, wenn man aus dem Zelt kriecht und das Blau des Meeres, die Gischt der Wellen sich bewegen und die Fischerboote am Strand ruhen sieht.

Wir schmausten noch ein paar Kekse und dann machten wir uns wieder auf den Weg und genossen den herrlichen Ausblick auf das Schwarze Meer.

An diesem Abend leisteten wir uns wieder ein etwas besseres Hotel in Inebolu. Frisch gemachte Betten, eine gute warme Dusche und die Aussicht auf ein sehr gutes Frühstück sollten das Kontrastprogramm für die letzte Nacht sein. Wir merken an uns selbst, dass wir nun etwas müde geworden sind und sich manches Zipperlein bemerkbar macht. Auch die olfaktorische Situation unserer Schuhe und Socken hat sich etwas verschlechtert. Wir sehnen uns nach dieser waschmaschinenfrischen kuscheligen gutduftenden Wäsche, an das selbe Bett für mehrere Nächte.


17. Juli
Es war eigentlich ein Tag wie jeder andere. Es ging ganz einfach darum, weiter östlich zu kommen. Unser großes Ziel, Trabzon radelnd zu erreichen, haben wir aufgegeben, da es aufgrund der Strecke unrealistisch erschien. Wir wollten einfach soweit kommen, wie wir konnten, ohne uns einen Stress aufzuerlegen. Wir wollten die letzten Tage radelnd genießen. Und so schlug Peter nach 70km knapp vor Doganyurt vor, heute am Strand zu campen.  Die Bewohner des kleinen Dörfchens beobachteten uns beim Aufstellen unserer Zelte.
Wir tratschten noch ein bisschen mit den einheimischen Jugendlichen, beobachteten den Sonnenuntergang im Meer, dann gingen wir schlafen. Die Brandung gab rhythmisch die Gute Nacht Geschichte vor.


16. Juli
Den Tag begannen wir mit einer kurzen Schwimmsession im Pool. Danach ließen wir die Schülerinnen und Schüler der angrenzenden Schulen einen Schwimmwettbewerb austragen und wir widmeten uns unserer Lieblingsbeschäftigung: Frühstücksbüffet leerzuräumen. Wir mussten uns dann kurz nochmals hinlegen, denn am besten fährt es sich ja doch in der Mittagshitze. Wir hatten aus den letzten Tagen einfach nichts gelernt.


 So schwitzten wir uns wieder Kilometer für Kilometer vorwärts, bis Peters Schlauch endgültig w.o. gab. Peter versuchte einen anderen Schlauch fahrtüchtig zu machen, aber auch dieser gab nach wenigen Kilometern den Geist auf. Diesmal passierte das Missgeschick 300 Meter vor einer Straßenmeisterei. Wir bogen auf das Gelände und wurden von 5 verdutzten Mitarbeitern bestaunt. Leider konnte kein einziger Englisch noch Deutsch, aber wir konnten unser Problem erklären. Peter brauchte ein größeres Loch im Felgen, damit er mit unseren Autoventilen kompatibel wurde. Die Arbeiter machten sich sofort ans Werk und holten ihren Chef hinzu. Weil Chefs mehr verdienen als ihre Mitarbeiter können sie sich natürlich auch bessere Handies leisten und welches ist derzeit das beste zum Angeben? Genau! Ein Iphone 4S mit dem neuen Programm Siri, das fas jede Sprache der Welt versteht und spricht. Und da ich mich mit den Gegebenheiten der Iphone-Besitzer noch nicht so recht auskannte und er mir sein Handy zu meinen Lippen hielt, wusste ich nicht, was ich machen sollte. Verzweifelt versuchte er etwas in sein Handy hineinzusprechen, aber Siri verstand ihn nicht. 5-6x versuchte er es, dann endlich, kam auf sein Display auf Englisch "food?" Zunächst verhielten wir uns zögerlich, aber nachdem 5 Mitarbeiter uns zuwinkten und uns förmlich in die Kantine drängten, nahmen wir das Angebot dankbar an. Es gab Suppe, Bohnengulasch, Salat und Nachspeise für uns. Wasser und Tee wurden ständig nachgeschenkt. Der Chef und seine Mitarbeiter freuten sich, dass wir ordentlich zulangten. Dann setzten wir uns noch in trauter Runde zusammen und versuchten mittels i-phone uns zu unterhalten. Siri verstand mein gebrochenes Englisch besser als sein muttersprachliches Türkisch. Es war lustig anzusehen, wie er sich abmühte und es immer wieder versuchte. Aber wir schafften eine gute Kommunikation. Satt, zufrieden und mit repariertem Fahrrad verließen wir die Straßenmeisterei bei größter Hitze und schraubten uns Höhenmeter um Höhenmeter die Hügel hinauf.


Nach einer rasanten Abfahrt gönnten wir uns einen kleinen Sprung ins Meer. Neben uns wurde ein türkischer Tee zubereitet und Peter wollte mit seiner gelben Luftmatratze gar nicht mehr aus dem kühlenden Nass steigen.

Aber es ging weiter. Bis Kurucasile, einem kleinen Badeort einige Kilometer weiter östlich.


15. Juli
Das Aufstehen in der Früh war schon sehr hart. Püntklich um 8:45 Uhr wurden wir von unserem Vermieter aus dem Bett geholt. Eine Viertelstunde später war alles gepackt und wir kamen genau bis zur Kreuzung bis uns jemand auf Deutsch zurief: "Kommt zu uns! Hier bekommt ihr Tee". Also setzten wir uns gemütlich zu einer kleinen Runde und tauschten Erfahrungen aus. Einer aus der Runde arbeitete jahrelang bei BMW in Deutschland, der zweite war Lehrer, der dritte Sporttrainer.

Nach ca. 4 Tees durften wir dann 500 Meter zum Strand weiterfahren. Noch war das Wasser angenehm und auch auf dem Strand tat sich um diese Uhrzeit wenig. Die Türken sind eher Spätbader, d.h. sie beginnen den Badetag um ca. 13 Uhr bis die Sonne untergeht.
An diesem Tag kamen wir auch zu einer ganz hervorragenden Fischplatte mit Pommes und frischem Salat.

Wir wollten an diesem Tag gar nicht mehr diesen schönen Ort verlassen und auch das Schicksal meinte es nicht gut mit uns. Martin und ich hatten die Grillerei am Abend doch nicht so gut vertragen, und der Schlauch von Peters Hinterrad platzte aufgrund der Hitze. Das Pickzeug war eingetrocknet, die guten Schläuche aufgebraucht.

 MacGyver Peter hatte aber eine super Idee: Er umwickelte ganz einfach den Schlauch mit Tixo. Und siehe da: die nächsten 40 Kilometer nach Bartin hielt der Schlauch sogar Höchstgeschwindigkeiten aus. Peter testete die Limits des Fahrrads und unsere gleich dazu.

Vollkommen verschwitzt kamen wir im Grand Hotel an. Wir schienen auf einen Gast einen sehr erbärmlichen Eindruck gemacht zu haben, so dass er uns gleich zu einem Bier am Pool einlud. Dieses Hotel ist wirklich zu empfehlen! Frisch gezapftes Bier, um 12 Uhr abends noch hervorragende Köfte und herrliche Betten.

Sonntag, 15. Juli 2012


14. Juli
Ausgeschlafen und mit einem Radtuning (Martin bekam einen neuen Mantel für den Hinterreifen) beschlossen wir an diesem Tag die 130km Strecke nach Bartin in Angriff zu nehmen.

 Im Frühstücksfernsehen sahen wir einen Beitrag, wie die Türken unter der Hitze litten und dass der Asphalt in einem wirklich schlechten Zustand sei. Wir fühlten mit der armen Bevölkerung mit.
Mental hatten wir uns bereits auf den Anstieg des heutigen Tages vorbereitet. Es geht gleich nach der Ausfahrt von 0 Meter Seehöhe auf ca. 500 Meter Seehöhe. Peter hatte sich auch sein schönes Bergtrikot angezogen. Wir trankten noch genügend Wasser und dann ging es los.

Höhenmeter um Höhenmeter radelten wir die gutausgebaute Straße hinauf.
Zu erwähnen, dass wir schwitzten, erübrigt sich, wenn man erfährt, dass der Asphalt gallertartig auf unseren Reifen klebte. Ich hatte es noch nie erlebt, dass mein Schweiß von den Fingerkuppen tropfte, dass mein T-Shirt beim Auswringen ca. 1 Liter Wasser hergab.

Die ersten 50km nach Zonguldak waren hart. Eine kurze einstündige Pause sollte uns genug Kraft für die nächsten 80km geben.
Zonguldak, Perle der Schwarzmeerküste, was hast du für Straßen im Ortsgebiet? Wer hat dich so verwunschen und noch nicht wachgeküsst? Warum baut man 20 Prozentige Steigungen im Ortsgebiet inkl. Schlaglöcher und lässt Autofahrer ohne Führerschein dort fahren? Warum baut man Einbahnstraßen, die so eng sind, dass kaum ein LKW durchkommt? Wenn man jemanden noch nicht in die Hölle und noch nicht die Pest wünschen möchte, dann wünscht man ihm ganz einfach die Strecke Zongduldak (Ortseinfahrt) bis Kilimi (Ortsausfahrt). Ich habe noch nie in meinem Leben so eine harte Streckenführung erlebt.  Peter und Martin sind alles geradelt, ich habe sehr viel geschoben.
Das Ende dieses Tages setzten wir in Filyos. Wir hatten keine Kraft mehr. Wir suchten nach einem Hotel, radelten durch die ganze Stadt, doch wir fanden keines! Es gab keine Unterkunft! Plötzlich blieb ein rotes rostiges Auto neben uns stehen und ein junger Mann sprach uns auf Englisch an. Wir erzählten ihm von unserem Leid und er wusste sofort Rat. Er kannte einen Unterkunftgeber, dessen Apartments leider voll waren.

Er konnte uns aber sein Büro im Dekorationsgeschäft anbieten, das wir dankbar annahmen.

Eine halbe Stunde später trafen wir nochmals unseren Vermittler, der uns spontan zum Grillen mit seinen 6 Freunden am Strand einlud. Kurzer Stopp beim Supermarkt, um Fleisch, Brot und Getränke zu besorgen und schon waren wir mitten in einer illustren Runde bis 2 Uhr in der Früh.


13. Juli
An diesem Tag hatten wir uns eine angenehme Etappe vorgenommen Karasu - Eregli. Laut Google-Maps nur 70km. Flach, Strände, einfach super. Leider haben wir ein bisschen das Kartenlesen verlernt. Denn wir merkten bereits nach 20 Km, dass es plötzlich ganz schön rauf ging. Wieder einmal stand Hügel rauf Hügel runter auf dem Programm. Unsere GesamtPatschen-Anzahl hatte sich auf 5 erhöht: 3x Martin, 2x ich, 0x Peter. Mir ist vollkommen unklar, wie Peter bisher  ohne Probleme durch diese Tour kam. Sein Scott-Rad muss wirklich ein Wunderding sein. Ein Produkt von allerhöchster Qualität. Denn er fährt wie ein Profi und lässt auch kein Schlagloch aus.
Eregli ist nicht wirklich schön. Es ist eine Hafenstadt mit sehr viel Schwerindustrie. Der Hauptstrand ist der Stadt vorgelagert, aber man kann in der Nähe des Hafens ins Meer springen. Die sportlichen und abgehärteten Schwerarbeiter der Region machen das immer nach getaner Arbeit. Da wir uns der türkischen Kultur immer mehr anpassen,mussten wir bei diesem Spass auch dabei sein. Ein bisschen schwierig gestaltete sich nur das Herauskommen aus dem Wasser, denn die Steine waren einerseits von Miesmuscheln, glitschigen Seegras und andererseits von Krabben belagert. Gottseidank sind die Krabben nicht zutraulich und haben kein Interesse an Menschenfleisch und sobald wir einen Stein berührten, zogen sie sich unter die Steine zurück.
Die Bevölkerung ist sehr westlich eingestellt. Es gibt viele Bars und man sieht viele junge Mädchen im Teenageralter bei Bier oder anderen alkoholischen Getränken sitzen. Das Hotelpersonal war auch extrem freundlich.


12. Juli
Der Nebel lichtete sich nur langsam in der Früh und die Hoffnung lebte wieder auf, dass wir einen angenehmen Tag erleben würden. Der Obstverkäufer hatte uns eine Eierspeis mit Paradeisern, frisches Brot, Nutella, Honig und Tee kredenzt - und ich muss sagen, das war das beste Frühstück auf dieser Reise bisher. Wir waren über diese Gastfreundichkeit sehr überrascht.
 Dann ging es wieder weiter auf unserer Tour, die sich an diesem Tag nicht wirklich von den letzten beiden Tagen unterschied. Es war eine schöne, abwechslunngsreiche Strecke.
 Die Streckenführung hatte manchmal etwas unlogisches an sich, aber scheinbar ging es beim Straßenbau in der Türkei um folgende Grundlegende Punkte (a) verbinde soviele Moscheen wie möglich miteinander, (b) es darf kein Hügel ausgelassen werden, (c) suche die steilsten Strecken aus und (d) vermeide dadurch einen Brückenbau, (e) baue soviele Schlaglöcher ein, dass es unmöglich ist, eine Geschwindigkeitsübertetung zu machen, auch wenn nur eine 30er Zone ausgeschildert ist.





An diesem Tag erreichten wir den schönen Badeort Karasu und nahmen uns ein Hotel, damit wir uns duschen konnten. Kurz sprangen wir am Abend auch noch ins Meer und nutzten die letzten Sonnenstrahlen, um trocken zu werden.

11. Juli
Beim Frühstück sprach mich eine Türkin an, nachdem sie mich beim Teeeinschenken beobachtet hatte. Im breitesten Deutschen-Dialekt meinte sie, ich sei beim Teetrinken türkischer als die Türken, weil ich mir meinen Schwarztee nicht verdünne. Auch Martin und Peter hatten sich angepasst. Sie waren nun so braun wie die Einheimischen. Bereits in Istanbul wurden sie eher für Türken als für Österreicher gehalten aufgrund ihres Aussehens. Wir planten noch ein bisschen die Route via Google-Maps und verglichen unsere Karten. Knapp vor Mittag brachen wir wieder auf. Noch schien das Wetter kühler als am gestrigen Tag. Doch das sollte sich recht bald ändern. Hügel rauf, Hügel runter, Moschee rechts, Moschee links, bald brannte die Sonne unerbittlich auf unsere Köpfe. Die Bäume spendeten keinen Schatten. Kein Wind vertrieb die Hitze. Noch nie in unserem Leben haben wir so geschwitzt wie an diesem Tag. Bei einer kurzen Rast mit eiskaltem Cola, begegneten wir einen Handelsvertreter von Red Bull, der uns gleich nach der Begrüßung darauf hinwies, dass "Cola is not good for you, trink Red Bull!". Er zeigte uns auf unserer Karte, wo die coolsten und schönsten Strände der Region zu finden sind. Wir flüchteten an einen Strand und sprangen ins Wasser. Doch 5 Minuten nachdem wir das Wasser verlassen hatten, waren wir schon wieder trocken. Gottseidank hatten wir uns einen Schirm organisiert, der das Wetter ein bisschen erträglicher machte. Die kurze Mittagspause war aber nach zwei weiteren Hügeln wieder vergessen.

Wir schwitzten uns weiter durchs Hinterland Richtung Kandira. Dort erfuhren wir , dass es in diesem Ort kein Hotel gäbe und so wurden wir ins 20km entfernte Kefken geschickt, das wir aber aufgrund unserer allgemeinen Erschöpfung nicht erreichten. 5 Kilometer nach Kandira fragten wir einen Obstverkäufer, ob wir hinter seinem Stand auf dem Feld campen dürften. Er verstand kein Wort, rief aber per Handy seinen Neffen an, der mit uns auf Englisch kurz das wesentlichste klärte und dann war alles ganz einfach.

Kaum war das Zelt aufgestellt, wurden wir zum Tee gerufen, eine Wassermelone wurde aufgeschnitten und so blieben wir noch ein bisschen beim Obstverkäufer und seiner Frau sitzen und unterhielten uns via Zeichensprache.



10. Juli
Die Fahrt mit dem Schiff den Bosporus entlang war eine nette Abwechslung zum Radleralltag. Langsam glitt das Boot die Küste Istanbuls entlang und man sah, welche Ausmaße diese Stadt bereits erreicht hatte.
Auf den Hügeln entstanden neue Wolkenkratzer, die Straßen waren hervorragend ausgebaut, trotzdem staute es sich bei den Brückenzufahrten. Bei der Endstation des Schiffes, das hauptsächlich von Touristen benutzt wurde, gab es ein Fisch- und Kebabrestaurant nach dem anderen. Wir kauften nur 6 große Wasserflaschen und dann ging es bereits für uns wieder los.

Gleich die erste Steigung verlangte alles von uns ab. 10 bis 20 Prozent Steigung 3 Kilometer lang, das waren wir schon nicht mehr gewohnt. Und so ging es den ganzen Nachmittag und Abend dahin bis Sile. Vollkommen fix und fertig kamen wir bei einem sehr modernen Campingplatz an, der Hütten vermietete. Die letzte konnten wir ergattern und es war ein wirklicher Genuss, sich zu duschen. Im Preis inbegriffen war ein drei gängiges Abendmenü, das wirklich sehr gut war. Ich bin dann noch bis tief in die Nacht hinein mit dem Rezeptionisten und zwei Köchen zusammengesessen und wir haben uns über die unterschiedlichen Kulturen unterhalten. Sie waren ganz verwundert, dass wir die Schwarzmeerküste entlang radelten und nicht am Mittelmeer plantschten, wie alle anderen deutschsprachigen Touristen auch. Ich erklärte, dass wir die wirkliche Türkei sehen wollten und nicht ein ClubMed-Programm. Woraufhin der Koch aufsprang und mir Baklava und einen türkischen Kaffee kredenzte. Meine Erklärung hat ihm sehr gefallen und er erzählte mir von den Mühen eines ClubMed-Kochs. Zum Ausklang des Abends schaukelte ich in einer Hängematte und hörte den Fröschen im nahegelegen Teich beim quacken zu.

Montag, 9. Juli 2012

Ein paar Impressionen von Istanbul. Hier bleiben wir für zwei Tage.










Sonntag, 8. Juli 2012


7. Juli
Da wir am letzten Tag nach 69 Kilometer nicht mehr geglaubt haben, dass wir am 7. Juli Istanbul erreichen, hatten wir keine großen Erwartungen an diesen Tag. Wir hielten alle den Ball flach. Soweit wir kommen, kommen wir. 30 Kilometer nach Corlu - das übrigens nicht zu den optischen Schmuckstücken der Region zählt, Slums besitzt und nach chemischen Giftstoffen riecht - beginnt die Küste. Und auf ein bisschen Plantschen im Meer, darauf hatten wir alle große Lust.

 Peter hatte sich vorsorglich schon die Badehose angezogen und wollte aufgrund seines harten Sattels diese Strecke im Wiegetritt zurücklegen. Wir zogen Hügel um Hügel dem Meer entgegen. Die Steigungen wurden flacher und man spürte einen leichten salzigen Windhauch. Endlich nach 35 Kilometer tauchte die Küste auf, aber erst nach weiteren 15 Kilometer als wir Silivri erreichten, konnten wir ins Meer abtauchen. Toll, seinen ganzen Körper unter Wasser zu tauchen, ausladende Bewegungen zu machen, die andere Muskeln strapazierten , die man beim Radfahren nicht braucht.


Nach zwei Stunden ging es weiter, die Küstenstraße entlang. Immer flach, Aussicht auf das blaue Nass und man roch das angeschwemmte Seegras. Die Kilometer nach Istanbul schmolzen dahin.

 Aber irgendwann, wurden keine Kilometerangaben mehr auf den Schildern nach Istanbul angezeigt. Wir wussten, dass wir nach ca. 100 Tageskilometern Istanbul erreichen sollten. Hatten wir die Vororte von Istanbul erreicht? Wir konnten es nicht sagen, denn mein Garmin konnte die Gegend nicht mehr darstellen. Er zählte nur mehr die Höhenmeter und die Kilometer. Vor Istanbul wurde es nochmal sehr hügelig und die Straße verbreitete sich zusehends. Auch der Verkehr wurde mehr. Bald zählte ich 6 Spuren in eine Richtung, manchmal verengte es sich wieder auf 5 Spuren. Auf der gegenüberliegenden Seite staute es sich aus der Stadt heraus. Als bereits der Mond glutrot über uns gestanden ist, nahmen wir eine Ausfahrt und fragten 3 Passanten nacheinander, wo das Zentrum von Istanbul sei.

Nach weiteren 12 Kilometern hatten wir es erreicht und Martin zeigte uns ungefähr, wo er die Jugendherberge vermutete. Leider konnte er sich nicht mehr genau erinnern in welcher Straße sie war und wie das Hostel eigentlich hieß. Aber bei einer 20 Millionen Stadt ist das sicherlich nicht so schwer zu finden. Also cruisten wir um 23 Uhr noch ein bisschen durch die Gässchen, bis wir bei der Hagia Sophia angekommen waren. Ein Keiler sprach uns an und vermittelte uns eine Herberge für 20 Euro die Nacht pro Person und er gab uns ein Visitenkärtchen mit. Martin meinte, seine wäre günstiger und so fuhren wir noch ein paar MInuten im Kreis, bis wir ein günstiges Quartier für eine Nacht gefunden haben.


6. Juli
Am nächsten Tag sattelten wir bereits unsere Räder als uns Martin erzählte, dass er jetzt mit einem goldbehangenen Mann im Lift gefahren sei und er glaubte, dass er ein ganz wichtiger Mann sei, denn die anderen im Lift haben ganz blöd geschaut, als er sich mit seinen Packtaschen auch noch in den Lift gedrängt hatte.  Plötzlich hörten wir Schalmeienklänge und wir erfuhren an der Rezeption, dass diese Woche das Ringerfestival in Erdine stattfindet und die Kommission der Ringrichter hier abgestiegen ist.

Die Vegetation hat sich in den letzten hundert Kilometern nicht sehr verändert. Wir fuhren noch immer bei Sonnenblumen und Getreidefeldern vorbei. Die Mähdrescher wirkten ein bisschen moderner als in Bulgarien. Was sich sehr stark verändert hat, war die Straßenführung und die Konsistenz des Asphalts.


Türken bauen gerne Straßen über Hügel drüber. D.h. es geht die Straße Hügel rauf, Hügel runter, Hügel rauf, Hügel runter. Zwar gerade, aber das merkt man nicht. D.h. ca. 11km/h rauf, 35 km/h runter. So wurde Hügel um Hügel bewältigt.

Schatten gab es keinen. Bei einer Tankstelle sahen wir eine kleine Anzeige mit 42,5 Grad und wir hielten diese Angabe für realistisch. Wir beschlossen, die Etappe heute zu verkürzen. Ich hatte bei Km 69 einen kleinen Zusammenbruch und fühlte mich nicht gut. Bei der nächsten Tankstelle kaufte ich mir 2 Energy drinks, um meinen Kreislauf zu stabilisieren. Martin und Peter setzten sich zu mir und redeten mir gut zu. Plötzlich sahen wir einen anderen Reiseradler, der in dieselbe Richtung wie wir fuhren. Wir winkten ihm und  er bog zu uns in den Schatten. Er erzählte, dass er aus Polen sei und seit ein paar Jahren in Pension, sein Freund, der bald zu uns dazustieß, müsse noch ein paar Jahre arbeiten.

Wenn man die beiden sieht, könnte man glauben, clever und smart stehen vor einem ;) Sie haben uns erzählt, dass sie fast 200km pro Tag radeln. Zelten oder einfach bei fremden Leuten anklopfen, ob sie übernachten können. Wir leisten uns derzeit ein bisschen mehr Luxus. Die beiden haben uns auch ein bisschen auf die Atacama-Wüste vorbereitet, da sie eine längere Südamerika-Tour gemacht haben.
Gestärkt durch ein Bier sind wir in die nächste Stadt geradelt, in der es aber nur ein sehr teures Hotel gab. So beschlossen wir bei der nächsten Tankstelle, solange weiter zu radeln bis wir ein Hotel finden werden. In der Zwischenzeit hatte es schon abgekühlt auf angenehme 32 Grad. Und interessanterweise ging es mir von KIlometer zu Kilometer besser. Und so sind es an diesem Tag doch 121,2 km geworden.
Vor Corlu gibt es eine ganz große Ansammlung an Textilbetrieben. Also: wenn jemand dringendst Kleidung braucht, einfach dort hinfahren!


5. Juli
Der Tag begann heiss. Sehr heiss.  Ich trank bereits in der Früh 1 Liter undefinierbaren Fruchtsaft und war ein bisschen aufgeregt. Heute ging es schließlich nach Edirne in die Türkei und ich wußte nicht, was uns an der Grenze erwarten würde: Stau, Komplikationen wegen des Visums, wegen unserer Fahrräder, etc.  Aber zuerst ging es einmal Richtung Grenze.
Wir fuhren die Europastraße, die ganz dick in der Landkarte eingezeichnet war. Einen Kilometer parallel daneben führte die Autobahn ebenfalls an die Grenze. Ich erwartete mir, dass wir es mit sehr viel Schwerverkehr zu tun haben würden und uns ein LKW nach dem anderen abdrängen würde. In mehreren Reiseblogs im Internet war zu lesen, dass entlang der Straße sehr viele Bettler stehen würden und dass es hier einen florierenden Straßenstrich gäbe. Doch weit gefehlt! Die Fahrt war sehr relaxt! Die wenigen Roma, denen wir begegneten, winkten uns ganz freundlich von ihren Fuhrwerken zu. Sie transportierten frisches Heu oder Melonen.

 Entlang der Strecke sahen wir sehr viele aufgelassene Lokale. Der Verkehr hatte sich auf die Autobahn verlegt und die Bewirtung der Strecke schien sich für die meisten Restaurantbesitzer nicht mehr zu rentieren. An einen der wenigen Raststätten machten wir halt und tranken eiskaltes Cola. Die Betreiber waren ein lustiges Grüppchen. Obwohl sie kein einziges Wort Englisch oder Deutsch verstanden, unterhielten wir uns prächtig und ich zeigte ihnen unsere ausgedruckte Route.

In dieser Gaststätte machten vor allem türkische LKW-Fahrer halt und tranken ihren Tee.


Kurz vor der Grenze hatte Martin seinen ersten Patschen.

Gottseidank gleich neben einer Bank und einem Baum, sodass wir gemütlich an seinem Rad herumwerken konnten. Wir? Falsch! Unser großer Technikfreak Peter wechselte in Windeseile den Reifen. Martin und ich leisteten Assistenzdienste. Und kaum fertig radelten wir auch schon wieder weiter an die Grenze.

 Dafür mussten wir aber die Autobahn benutzen, was aber aufgrund des gut ausgebauten Pannenstreifens und der bedächtigen Autofahrer kein Problem war.


 2 km vor der Grenze winkten uns Polizisten zu, die gerade mit der Geschwindigkeitskontrolle beschäftigt waren und wünschten uns eine gute Reise. Die Bulgaren sind ein sehr freundliches, relaxtes Völkchen und mit Wehmut denken wir an diese Zeit zurück. Es war alles so billig.
Bei der Passkontrolle stellte sich heraus, dass eine bulgarische Zöllnerin aus Wien war und etwas länger mit Peter freundlich plauderte. Ja, wenn man schon einmal die Gelegenheit hat mit jemandem aus der zweiten Heimat zu plaudern, kann die Schlange hinter uns noch so lang sein. So  eine Chance kommt wahrscheinlich so schnell nicht wieder. Dann fuhren wir ehrfüchtig zur türkischen Grenze. Von der Ferne konnte man schon die wehende türkische Flagge erkennen und die kleine Kolonne. Wir reihten uns also brav ein. Endlich waren wir dran. Pass wird angeschaut, kein Visum drin, also zum nächsten Schalter geschickt. Ich nahm alle Pässe an mich bzw. die Einzelteile und lief zum Visumschalter. Ein gemütlicher mittelschwer übergewichtiger Zollbeamter pickte in die ersten drei Bestandteile eine Briefmarke (das war das Visum, Kosten: 15 Euro pro Person) ein und erklärte mir, dass die anderen beiden Bestandteile keine Pässe waren. Martin hatte mir nicht nur seinen Pass sondern auch seinen Führerschein und sämtliche Flugtickets der letzten 5 Jahre mitgegeben. Jetzt ging es wieder zurück zur Passkontrolle. Der erste Schalter konnte die Pässe nicht elektronisch lesen ("always the same with the Austrian passports") und schickte mich zu seinem Kollegen gegenüber, der eigentlich das Gleiche machte, wie sein Kollege, aber fescher aus sah. Nach 20 Minuten hatten wir es geschafft. Es war absolut keine Hexerei und wir waren schon fast aus dem Grenzbereich draußen, da kam nochmals eine Passkontrolle! Eine hübsche, blutjunge Zöllnerin saß in ihrem Häuschen und sagte etwas auf türkisch. Peter und ich fragten sie, was sie wolle und sie sagte: "Go Go Go". Scheinbar hat Martin nur die ersten beiden Go verstanden und blieb stehen und wollte noch ein bisschen Plaudern. Gottseidank hatten wir ja noch keine Visitenkarten. Peter und ich befürchten ja, dass Martin nicht nur mit mir nach Österreich einreist sondern eine nette Begleitung mitbringt. Ein etwas lauteres "Martin!" von Peter führte dann doch zu einem schnellen Aufbruch von Martin und wir radelten weiter nach Edirne, der ersten größeren Stadt in der Türkei.

Wir bemerkten sofort, dass sich zwei Dinge seit der Grenze verändert hatten: 1. die Autofahrer hupen ganz freundlich und wünschten uns einen schönen Tag oder eine gute Reise und 2. die Türkei ist teurer als Bulgarien. Und ein dritter Punkt wurde uns erst ein bisschen später bewusst: Man darf in der Nähe einer Moschee kein Bier trinken. Martin wollte sich nämlich auf einem Marktplatz ein Efes genehmigen bzw. kaufen und fragte ganz artig, ob er das dürfe. Der Verkäufer wusste es nicht und innerhalb von 2 Minuten war er umringt von mindestens 7 anderen türkischen Männern, die ihm die Lage in der Türkei bzw. im islamischen Raum erklärten.




Nach einer kleinen Stadtbesichtigung (Edirne ist eine ehemalige Verwaltungshauptstadt mit einer wirklich schönen Moschee) und des Handwerksviertels fanden wir in einem Nebengässchen tatsächlich für Martin ein Lokal, wo Bier frisch ausgeschenkt wird. Unsere kleine Wäschewaschaktion am Abend verlief leider nicht ganz erfolgreich. Unsere Wäsche war leider bis zum nächsten Morgen noch nicht trocken und miefte trotz kräftigem Einsatz von Waschmittel noch immer nach hartarbeitenden Mann.