Nach Wochen des Regens und Gatsches kündigten die Meterologen für dieses erste Wochenende im Juni schönes Wetter an. Der Wienerwald war durchtränkt, der Schlamm hatte eine Tiefe erreicht, die zum Mountainbiken nicht mehr geeignet war. Bzw. hieß es nach jeder Tour: Putzen, putzen, putzen. So kam ich auf die Idee, eine kleine Straßentour mit dem Mountainbike zu fahren. Ich hatte Martin erzählt, dass ich von Liezen nach Salzburg und dann weiter nach Zell am See fahren würde. Er war sofort dabei und als ich auch noch eine Variante „über den Großglockner“ erwähnte, stieß auch Peter wieder dazu.
In einer geheimsten Geheimaktion planten wir die Etappen, denn sonst würde sich im Vorfeld Kathrine zu viele Sorgen machen. Peter und Martin studierten die Karten genau und hielten mein Vorhaben, zuerst von Liezen nach Bruck und am nächsten Tag über den Großglockner zu fahren bis nach Lienz für realistisch. Wir wollten auch Thomas mitnehmen, denn er sollte sein neues super tolles Cube-Mountainbike einmal richtig austesten. Aber leider hatte er keine Zeit und Rückenschmerzen.In Liezen mussten wir einmal unsere Räder auf Vordermann bringen und waren erstaunt, wieviel ein jeder eingepackt hat. Peter, unser Minimalist, hatte nur einen Rucksack mit dem aller notwendigsten. Martin hatte zwei Taschen und einen Rucksack und ich einen Rucksack, meinen Netbook und eine Tasche mit den wichtigsten Utensilien (Fahrradschläuche, Pumpen, Erste Hilfe Set, etc.) mit.
Nach einer halben Stunde ging es los. Martin hatte nach ca. 450 Metern Probleme mit seinen Radschuhen, aber solche Anfangsschwierigkeiten, brachten uns schon lange nicht aus der Ruhe. Ich fotografierte in der Zwischenzeit Wiesen, Blumen, Hügel und Berge.
Wir fuhren den Ennstalradweg entlang. Manchmal nimmt dieser einen Umweg über kleine Dörfer und baut ein paar extra Höhenmeter ein. Aber eigentlich ein Klacks. Nur einmal endet er in einem frisch gemähten Feld, das wir queren mussten. Es roch frisch und nach Natur pur!
In Schladming wurden Kalorien bei einer Grillhendel-station getankt, dann ging es weiter. Peter hatte in der Zwischenzeit herausgefunden, dass es eine kleine Abkürzung nach St. Johann im Pongau gibt. Eine kleine Steigung, nix wirklich schlimmes. Wir waren die ersten 60 Kilometer das leichte Bergauffahren und den Gegenwind schon gewohnt.
Und dann kam die Abfahrt! Wir konnten uns an einem wilden Bächlein, das neben uns den Hang hinunterschoss delektieren. Kurve um Kurve zogen wir ins Tal und schonten unsere Bremsen für den nächsten Tag.
In St. Johann war Endstation an diesem Tag in einer kleinen Pension einer Ex-Langläuferin, die uns freudig begrüßte. Wir durften unsere etwas schmutzigen Räder in ihrer Garage verstauen.
Nach dem Frühstück spendierte ich Martin einen Helm, da er seinen zuhause vergessen hatte, und ich ihm drohte, dass ich ohne Helm ihn nicht auf den Großglockner mitnehmen würde. Hier muss man natürlich gleich einschränkend sagen, dass Martin ein besserer Radfahrer ist als ich, aber ich für dieses Wochenende die „Fürsogepflicht“ für die beiden Burschen übernommen habe. Martin nahm das Angebot dankend an und ich war darüber froh, als ich nach der ersten Kehre nur mehr die Abfahrtsbewegung von Martin erahnen konnte.
Von St. Johann zur Mautstelle sind es schon ein paar Kilometer (ca. 30). Und es geht von Fusch weg schon ordentlich zur Sache. Gottseidank gibt es kurz vor der Mautstation noch einen Brunnen, um meine Flaschen aufzufüllen. Bis dahin habe ich aufgrund des warmen Wetters schon geschwitzt wie ein Schwein. Eine kurze Abkühlung, zwei, drei Fotos, eine kurze Unterhaltung mit deutschen Touristen aus Thüringen und schon ging es weiter.
Bei der Mautstelle leistete ich mir mehrere Gummibärli und Cola als weiteren Proviant. Peter coachte mich nochmals: Bis zur ersten Kehre ist es ein ziemlicher Anstieg, danach geht es eher flach dahin (Peter hatte diese Begriffe aus Norwegen übernommen („a kind of flat“ bedeutet so viel wie 10% Steigung ohne Aussicht auf Abfahrt)) und bis zum Törl ist es dann auch nicht mehr weit. Wir vereinbarten, dass wir oben aufeinander warten würden.
Bei der Mautstelle leistete ich mir mehrere Gummibärli und Cola als weiteren Proviant. Peter coachte mich nochmals: Bis zur ersten Kehre ist es ein ziemlicher Anstieg, danach geht es eher flach dahin (Peter hatte diese Begriffe aus Norwegen übernommen („a kind of flat“ bedeutet so viel wie 10% Steigung ohne Aussicht auf Abfahrt)) und bis zum Törl ist es dann auch nicht mehr weit. Wir vereinbarten, dass wir oben aufeinander warten würden.
Martin zog langsam an, Peter folgte ihm dicht auf den Fersen. Ich sagte nach 50 Meter, dass sie keine Rücksicht auf mich nehmen bräuchten, denn ich wolle viele Fotos schießen. Zwei deutsche Rennradler mit supertollen Rädern und noch tolleren Radtrikots und –hosen überholten mich übermütig und fragten mich, ob sie mir nicht ein bisschen Gepäck abnehmen sollten. Ich bedankte mich für dieses Hilfsangebot, nahm es nicht an und traf sie bei der Hütte unterhalb des Törls vollkommen fertig auf den Heurigenbänken liegen. Sie waren ca. zehn Minuten schneller als ich gewesen. Als ich sie fragte, ob sie noch weiter fahren würden, verneinten sie. Sämtliche Muskeln meines Körpers und Nervenzellen meines Gehirns jubelten. Wer zuletzt lacht, lacht am besten gilt auch am Großglockner!So als ob ich keine 1000e Höhenmeter in den Beinen hätte schwebte ich mit ca. 4.7 km/h dem Törl zu. Peter und Martin winkten anerkennend.
Oben trafen wir zwei Radler, die am nächsten Tag den Wettbewerb „Großglocknerkönig 2010“ mitfahren wollten und noch eine genaue Streckeninspektion mit ihren Auto machten. Wir gaben professionelle Tipps und fuhren dann Richtung Hochtor weiter.Dort zogen wir uns unsere Jogginghosen an und bereiteten uns auf die Abfahrt vor. Codename: „Bremsen schonen“. Nach zwei Hundert Meter spritze das Schmelzwasser abkühlend in mein Gesicht. Die Bremsen quietschten einige Zeit, dann roch es verdächtig nach Verbrannten.
Ich hatte mich leider nicht so sehr an unsere Abmachung gehalten und musste deshalb zweimal zum Bremsen kühlen stehen bleiben und das wunderbare Panorama fotografieren.
Kurz vor Heiligenblut gibt es noch eine kleine Steigung zu bewältigen und dann eine finale Abfahrt. Hatte es sich doch ein Autofahrer erlaubt uns an der höchsten Spitze zu überholen! Was für eine Frechheit. Peter nahm sofort die Verfolgung auf und schüchterte den Autofahrer aufgrund seines gelben Helmes so ein, dass dieser ihn vorbei ließ. Ein BMW wurde von ihm danach auch noch „geschnupft“. Ich war ganz stolz auf meinen tollen Abfahrer. Martin kam ebenfalls nicht sehr spät ins Ziel. Nur ich brauchte ein bisserl länger. Da ich ja die ganze Tour mittels meines Fahrradcomputers dokumentiere war dies auch als Beruhigung für Kathrine gedacht. Meine persönliche Höchstgeschwindigkeit habe ich schon am Vortag abgeliefert.
Kurze Statistik dieses Tages: Über 4000 Kalorien verbraucht, 2100 Höhenmeter bewältigt und rund 86 Kilometer gefahren.
Wir stiegen im noblen Vier-Sterne Hotel „Post“ ab. Es wird derzeit von sehr deutsch sprechendem Personal geführt. Und wir mussten ganz einfach ein Paparazzi-Foto vom Lederhosen tragenden Kellner machen. Der Kontrast zwischen Sprache und Dienstkleidung war einfach zu groß.
Das Frühstück war phänomenal gut. Frische Früchte, Spiegeleier, weiche Eier, knusprige Semmeln! Alles was das Herz begehrt! Die Fahrt nach Lienz war dann nur mehr ein leichtes Ausrollen mit einem kleinen Hügerl (200 Höhenmeter) drinnen.











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