Freitag, 31. Juli 2009

Goodbye Lofoten, hello Bodo & Fauske

Wir beschlossen nicht in A zu bleiben, sondern mit der Fähre nach Bodo zu fahren.Diesmal waren wir sogar vor der Fähre am Anlegeplatz! Eine Premiere! Wir fragten, wo wir die Tickets kaufen könnten. Es gingen ein paar Ticketverkäufer herum und wir wollten drei Tickets kaufen. Leider funktionierte der Kartenleser für die Mastercard nicht, auch Visa, Maestro und eine zweite Mastercard wurden nicht akzeptiert. Wir zählten unser Geld und wie durch ein Wunder konnten wir die 450 Kronen bar bezahlen. Aber nun waren wir unser gesamtes Bargeld los. Uns wurde versichert, dass nur diese mobile Maschine solche Probleme bereitet. Am Schiff würden wir anstandslos Getränke mit unseren Karten bezahlen können. Doch das stimmte nicht. Solche kleinen Pannen bringen uns nicht weiter aus der Fassung. Martin hatte noch 30 Euro eingesteckt.
Das Schiff legte In Bodo um 0:40 Uhr an. Wir folgten den Pfeilen zur Jugendherberge, doch konnten wir diese nicht finden. Bei der Touristeninformation im Zentrum der Stadt fanden wir nicht einmal einen Stadtplan vor. Die Bedienstete der gegenüberliegende n Tankstelle sagte uns, dass die Jugendherberge beim Bahnhof liegt, ob die Rezeption aber noch offen habe, wüsste sie nicht. Wir fanden die Jugendherberge trotz dieser Beschreibung nicht. Zwei Männer, die zufällig des Weges kamen (einer mit Fahrrad), gaben uns die Auskunft, dass dieser Teil des Bahnhofs die Jugendherberge sei! Sie war aber geschlossen. Der Fahrradfahrer bot uns an, uns zu einem Campingpaltz zu begleiten. Ohne seine Hilfe hätte wir ihn niemals gefunden. Um 2:40 Uhr waren wir fertig mit dem Zeltabbau und dem Duschen. Müde legten wir uns schlafen.
Donnerstag, 30. Juli
4 Abfangjäger weckten uns um 10 Uhr. Der Flughafen war gleich um die Ecke. Diesmal waren es also Stahlvögel. Wir hatten Hunger. Der Campingplatz lag ganz idyllisch, hatte aber nicht einmal einen Kaffee anzubieten. Schnell bauten wir unsere Zelte ab und fuhren ins nächstgelegene Einkaufszentrum. Dort brachten wir unsere Räder zu Intersport, wo sie fachgerecht gewartet wurden. Gleich daneben gab es hervorragenden Kaffee und gute Sandwiches. Wir hingen bis 15:30 Uhr faul herum, steckten unseren 6-fach Stecker in die einzig freie Steckdose und warteten bis unsere Batterien wieder aufgeladen waren. Manchmal ist das Herumhängen in Einkaufstempel wirklich erholsam! Wie wir losradelten fühlten wir uns voller Kraft. Unsere heutige Route führte uns nach Fauske, einen kleinen Ort 62 Kilometer weiter östlich von Bodo. Es war eine nette kleine Tagesetappe. Wir fuhren im gemächlichen Tempo dahin und schauten auf die unaufgeregte Landschaft. Der Campingplatz von Fauske lag auf einen Hügel und man konnte auf den Fjord blicken. Ein sehr beruhigender Ort, der uns Kraft für die nächsten Tage gibt.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Von Andenes bis Bodo

Montag, 27. Juli
Die Wäsche war leider in der Früh noch nicht trocken, sodass wir bis 14.30 Uhr in Andenes bleiben mussten. Wir waren motiviert, trotzdem die Tagesdistanz von 101 km bis Sortland zu schaffen. Die erste halbe Stunde war sehr mühsam, denn wir hatten Gegenwind. Man trat kräftig in die Pedale und kam kaum vom Fleck. Gottseidank war die Strecke eben. Nach einer dreiviertel Stunde hatten wir den Wind akzeptiert, so wie er eben blies. Schimpfen und Fluchen hatte keinen Zweck. Erst nach eineinhalb Stunden bemerkten wir, dass der Wind sich gelegt hatte. Mit 25 bis 28 km/h brausten wir die Küste entlang. Einsame Sandstrände wechselten sich mit Wiesen und kleine Wäldchen ab. An der gegenüberliegenden Küste konnte man schroffe Steilhänge erkennen. Am Wegesrand blühten Blumen und hie und da fand man schon reife Heidelbeeren. In Dverberg stand eine nette Kirche gleich an der Küste. Ein romantisches Bild für eine fünf minütige Pause. Im Nachbarort wurde Peter von einer Vermieterin angesprochen, die in A eine kleine Früstückspension betreibt, ob wir nicht bei ihr übernachten wollen. Pro Person würde dies nur 300 Kronen kosten inkl. Frühstück. Das Angebot war wirklich verlockend, aber wir hatten noch nicht einmal die Hälfte unserer Tagesdistanz zurückgelegt. Peter erklärte ihr dies im perfektesten britischen Englisch und erhielt von ihr sogar noch Tipps, welche Orte er sich auf der Reise unbedingt ansehen sollte. Nach insgesamt 60 Tageskilometern gab es etwas zu feiern. Wir hatten nun 1.500 Kilometer in 20 Tagen zurückgelegt. Eigentlich nahmen wir dies als Tatsache zur Kenntnis und freuten uns auf ein Hotdog bei der nächsten Tankstelle. Leider gibt es auf den Lofoten nur wenige Tankstellen (ca. alle 50-80 Kilometer eine), deshalb mussten wir ein normales Restaurant aufsuchen. Wir nahmen alle das Gleiche: Lachs mit Gemüse und Creme fraiche. Es war wirklich köstlich! In zwei bis drei Tagen mache ich es selber! Nach dem Essen ging es eben weiter, bis auf einen kleinen Pass mit 70 Höhenmetern, was wirklich nicht der Rede wert war, aber immerhin wir hatten auch an diesem Tag zumindest einen Pass bewältigt. Diesbezügliche Herausforderungen werden uns noch zwischen Bodo und Trondheim erwarten! Während wir so gemütlich dahinzogen, bog eine sportlich bekleidete Dame mit ihrem Trekkingbike auf unsere Straße ein. Wir waren gerade mit Heidelbeersuchen beschäftigt. Wir grüßten freundlich mit Hey! Und nahmen fünf Minuten später die Verfolgung auf. Nach einem Kilometer überholten wir sie. Trotz unseres Gepäcks konnten wir mehr Speed generieren und wir grüßten „Hello again!“ und grinsten. Leider gibt es das Sprichwort „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ , das sich auch bei uns bewahrheitet hat. Warum müssen die Norweger gerade auf unserer Strecke eine hundsgemeine Brücke mit einer Höhe von ca. 50 Metern und einer Steigung, die uns ans Nordkapp erinnerte, hinstellen? Natürlich überholte uns die Radlerin auf der Brücke. Luftig locker zog sie an uns schwitzenden, langsamen Reiseradlern vorbei und grinste. Wir konnten sie nicht mehr einholen. Wir trösteten uns an der Tankstelle in Sortland mit einem Hotdog (Martin), einem Bounty (Peter) und einer heißen Schokolade (Andreas). Dann suchten wir den Campingplatz, der auf einem Hügel nahe dem Stadtzentrum lag, bauten unsere Zelte auf, duschten uns und gingen wiedereinmal zufrieden schlafen.

Dienstag, 28. Juli
Der Campingplatz in Sortland gehört nicht zu den besten, die wir bisher aufgesucht hatten. Es gab nur eine Dusche für alle, die Herdplatten sahen sehr benützt aus. Wir frühstückten für unsere Verhältnisse früh um 10.30 Uhr. Die Trollfjorden gingen uns nicht mehr aus dem Kopf, hohe Felsen, ein schmaler Fjord, schneebedeckte Gipfel rundherum. Beim Studium der Karte wurde uns aber klar, dass wir nur mit den Hurtigruten zu den Trollfjorden kommen würden. Peter fragte bei der Rezeption des Campingplatzes, wann das nächste Schiff dorthin fahren würde. 13 Uhr von Sortland, es geht nur ein Schiff pro Tag. Es war gerade 12 Uhr geworden, als wir beschlossen, diese Fähre zu nehmen. Das hieß: 2 Zelte abbauen, Schlafsäcke einrollen, Packtaschen justieren, und losradeln! Um 12.45 Uhr stürzten wir uns den Hügel von Sortland hinunter, um 12.55 Uhr fragte ich Touristen, wo die Hurtigruten anlegen. Eine kleine unscheinbare Halle war die Eingangs- und Wartehalle. Sie war leicht zu übersehen. Als wir mit unseren Rädern durch sie hindurchschritten, sahen wir mehrere Reiseradler bereits draußen warten. Ein deutsches Ehepaar und ein norwegischer Radler klärten uns auf, dass man die Tickets im Schiff kaufen muss. Wir waren erleichtert, denn wir hatten es ja wieder einmal sehr knapp geschafft. Die MS Nordkapp ist ein sehr großes und schönes Schiff. Zuerst merkten wir nichts davon, da wir unsere Räder im Bauch des Schiffes abstellen mussten. Unsere Räder bekamen eine Schleife mit dem Zielort „Svolvaer“, wie bei einem Flugzeug. Dann ging es zur Rezeption zum Einchecken. Wir mussten unseren Namen und unser Geburtsdatum angeben und bekamen eine richtige Bordkarte mit Strichcode. Leider hatte ich beim Ausfüllen des Formulars wieder einmal eine richtige Sauklaue und meine Bordkarte trug den Namen Oltrich. Aber so ist das halt im Leben, nobody is perfect. Das Schiff war sehr gepflegt, wie auch die Passagiere. Leider waren es zu 99 Prozent Pensionisten mit Hörgeräten und Gehhilfen. Wir fühlten uns ein bisschen deplaziert als Radler mit kurzen Hosen und Wind- und Regenjacke. Sehr viele Deutsche waren an Bord. Und so konnten wir eine äußerst bizarre Begüßung mitverfolgen, als eine etwas ältere Dame zu einem noch gebrechlicheren Mann nach seinem Mittagsschlaf sagte: „Na, sind sie auch wieder von den Toten auferstanden“. Man konnte es fast glauben, da er ein bisschen miefte. Die Trollfjorden sind eine kleine Einfahrt von drei Kilometern. Auf Fotos sieht sie spektuakulärer aus, als sie wirklich ist. Nach zwanzig Minuten hat man alles gesehen, ein 360 Grad Panorama (Felswände) fotografiert und schon hatte man den Höhepunkt des Tages hinter sich. Mit 1 ¼ Stunden Verspätung legten wir in Svolvaer an. Das Wetter war grauslich. Regen, Wind, Kälte. Vor 6 Stunden waren wir bei Sonnenschein und 25 Grad gestartet. Also hieß es nun umziehen. Regenjacke und Regenhose, Wasserfeste Schuhe anziehen, und mental daraufvorbereiten, dass die nächsten 50 Kilometer nicht lustig werden. Svolvaer und der Nachbarort Kabelvag sind im Regen nicht wirklich interessant und hügelig. Entlang der E10 geht für mehrere Kilometer sogar ein Radweg, den wir brav benützten (der Asphalt war nämlich besser!). Wir fuhren an Sandstränden und Klippen, Wäldchen und Häuschen vorbei, aber wir hatten keine große Lust anzuhalten. Irgendwann hörte der Regen auf, nur der Wind blies noch recht ordentlich. Auf einer Brücke flog vor uns eine Möwe im gemächlichen Tempo gegen den Wind. Plötzlich blieb sie in der Luft einfach stehen! Der Wind war einfach zu stark. Sogar bei der Abfahrt mussten wir treten! Nach 30 Kilometern träumte Martin laut wieder von einem warmen Hotdog. Wir hatten alle ein bisschen Hunger, doch keine Tankstelle weit und breit, auch kein Restaurant, kein Kaffeehaus, nichts. Nach 40 Kilometern stand ein kleines Schildchen mit der Werbung für ein neues Cafe. Martin hatte die Führung in unserer Karawane übernommen und radelte mit Höchstgeschwindigkeit die 6 Kilometer bis zu diesem kleinen Häuschen. Leider hatte es schon geschlossen. Aber wir wären nicht in Norwegen, wenn dieses Problem eines wäre! Der Besitzer und sein Assistent sahen uns kommen und öffneten kurzfristig das Lokal, servierten uns kaltes Pepsi, versorgten uns mit frischem Wasser und einem kleinem Schokokuchen für jeden. Ich fotografierte beide und versprach ihnen, Werbung für sie zu machen. Also, sollten Sie einmal auf der 815 auf den Lofoten unterwegs sein und sich denken, da bin ich ja in der Pampa, dann besuchen Sie unbedingt das Kafe Rebecca! Was besseres werden sie dort nicht finden! Erfrischt und gestärkt radelten wir noch eine Stunde bis wir den Campingplatz erreichten. Die Rezeption hatte natürlich um 23.30 Uhr schon geschlossen, so stellten wir unsere Zelte auf einen freien Platz und benutzten noch die Küche um uns schnell ein Abendessen aus unseren letzten Resten zu zaubern. Es gab Spagetthi mit Edamer und Reis mit Karotten und Sojasoße. Am Morgen werden wir frühstücken gehen, da wir außer drei Karotten keine Vorräte mehr haben.
Mittwoch, 29. Juli
Vor unseren Zelten war der Landeplatz der Möwen. Das realisierten wir zum ersten Mal um ca. 4 Uhr in der Früh. Denn Möwen können sehr laut sein und sie nehmen keine Rücksicht auf schlafende menschliche Wesen! So waren wir bereits um 9 Uhr top munter und begaben uns zur Repezeption des Campinplatzes. Er war der günstigste bisher und auch das Frühstück war vorzüglich. Nur hatten wir nachher einen kleinen Zuckerschock, da wir zuviel Süßes gegessen hatten. An diesem Tag konnten wir keine Schokolade oder anderes Dessert mehr sehen! Nebel hing noch an den Hügeln rings herum, die Sonne blinzelte zwischendurch. Ein ideales Radfahrwetter. Wir hatten uns vorgenommen, bis an die Südwestspitze der Lofoten zu radeln. Wahrscheinlich zum Ort mit dem kürzesten Namen, nämlich A. Sicherheitshalber fragten wir auch noch an der Rezeption unseres Campingplatzes wann die letzte Fähre nach Bodo ginge. 21.15 Uhr war die Antwort. Um A zu sehen und wieder nach Moskenes zurückzufahren waren es genau 86 Kilometer. Aufgrund unserer Erfahrung wussten wir, dass dies nachdem wir um 13 Uhr losradelten, locker zu schaffen sein würde. Die Fahrt war die ersten zwei Stunden sehr angenehm. Die Bergspitzen waren schamhaft mit Nebel verhüllt, die Ebbe legte perfektes Nahrungsgebiet für die Möwen frei, der Verkehr auf der 815 und weiter auf der E10 hielt sich in Grenzen. Wir mussten an diesem Tag wieder mehrere Tunnel passieren. Die Autofahrerer waren diesmal etwas schneller unterwegs, wir hatten aber zum Glück einen eigenen erhöhten Fahrradstreifen, so dass wir mit dem Verkehr nicht in Berührung kamen. In einem Tunnel sprang Martin die Kette heraus. Martin war sehr verärgert, eigentlich sollte seit Tromso alles an seinem Rad passen. Nach dem Tunnel und einer kleinen Inspektion der Schaltung beschlossen wir, Martins Fahrrad in Bodo nochmals general überholen zu lassen. Auf der weiteren Fahrt traten keine technischen Komplikationen mehr auf. Nach einer kleinen Muschelsuche, 40 Kilometer vor A, in einer kleinen wunderschönen Bucht, ging es bis nach Ramberg. Dort wollten wir in einem Restaurant zu Mittag essen. Wie wir die Karte studieren und die Preise der Speisen lesen kam uns allen dreien in den Sinn: Da bleiben wir nicht! 30 Euro für das billigste Hauptgericht, sprengt unseren finanziellen Rahmen. Gerade im Gehen begriffen, kam uns die Kellnerin entgegen und fragte warum wir denn schon gehen. Ich sagte ihr, dass wir nur einen kleinen Hamburger essen wollten. Sie lächelte und deutete auf eine unscheinbare Karte (ein zusammengefalteter A4-Zettel) auf unseren Tisch. Sie hatten Hamburger und Fischsuppe und Pommes! Zu wirklich günstigen Preisen! Wir blieben und wir bekamen die besten Hamburger unserer Reise, selbstgemachte knusprige Pommes, eine ausgezeichnete Fischsuppe, zusammengerchnet dazu einen ganzen Laib Brot und Butter. Im Schlaraffenland kann man sicher nicht besser essen! Leider hatten wir wieder einmal nicht bedacht, dass man mit wirklich vollem Magen nicht so schnell fahrradfahren kann! Die ersten Kilometer zogen sich nach dem Essen. Ich dachte, ich hätte Mühsteine in meinen Packtaschen. Das Wetter wurde auch immer schlechter. Nebel zog um die Ecke und die Sicht beschränkte sich auf 15 Meter. Es herrschten ähnliche Verhältnisse wie am Nordkapp. Wir glaubten schon, dass wir wieder Nebelfotos wie am Nordkapp produzieren werden, wenn wir in A ankommen. Doch weit gefehlt. 7 Kilometer vor A lichtete sich der Nebel. Es herrschte Postkartenwetter. Um 20.15 trudelten wir in A ein. Übrigens ein sehr touristischer Ort. Rucksacktouristen wanderten zur Jugendherberge. Wir beschlossen nicht in A zu bleiben, sondern mit der Fähre nach Bodo zu fahren.
















































Sonntag, 26. Juli 2009

Der Weg zu den Lofoten

Samstag, 25. Juli
Nach einem guten Frühstück legten sich Peter und Martin noch kurz hin, während ich den kleinen Ort Maerfjord erkundete. Ein kleiner Hafen mit Fischerbooten bildet das Zentrum, daneben liegt gleich die Bücherei des Ortes. Als Einkaufsmöglichkeiten gibt es nur ein kleines Kiosk. Eine Kirche rundet die Sehenswürdigkeiten des Ortes ab. Unser Motel wird untertags von den Touristen frequentiert, während am Abend feucht-fröhliche Runden der Einheimischen vorbeischauen.
Um 13 Uhr ging unsere Fahrt dann los, voher wollten sich die Burschen noch eine Folge von South Park im Fernsehen ansehen. 55 Kilometer waren es bis Gryllefjord, dem Anlegehafen der Fähre nach Andenes auf den Lofoten. Um 19 Uhr ging die letzte Fähre, und wir dachten uns, dass wir diese locker erreichen werden. Nach 10 Kilometer Fahrt und nach zwei Tunnels eröffnete sich uns ein traumhafter Blick auf einen Sandstrand! Heiß war es an diesem Tag auch und so beschlossen wir kurz in die Fluten zu springen. Das Wasser war natürlich saukalt. Jeder von uns tauchte einmal unter und dann lagen wir ganz einfach für eine halbe Stunde am Strand. Wir genossen diese wunderbaren Minuten. Ich wanderte noch kurz den Strand auf und ab, dann ging es weiter. Zwei Pässe lagen vor uns. Ganz gemeine noch dazu! Langgestreckte Anfahrten, die Sonne heizte uns zusätzlich ein. Wir hatten kaum mehr Wasser. Kurz vor dem zweiten Pass bekam ich plötzlich einen Krampf im rechten Oberschenkel. Martin ging es auch nicht viel besser. Wir tranken, da wir kein Wasser mehr hatten zwei Dosen Bier. 13 Kilometer vor Gryllefjord und um genau zu sein um 18 Uhr erblickten wir den zweiten Pass. Aus der Karte konnten man nur ablesen, dass er kurz und steil sein sollte. Er war steil und lang. Die beiden Burschen fuhren den Pass mit letzten Kräften hinauf. Ich gab schon nach 10 Prozent w.o. und schob mein Rad, Meter um Meter. Kein Wasser mehr, kein Proviant. Ich schwitzte wie ein Schwein. Fliegen und Bremsen maltretierten mich unaufhörlich. 20 bis 30 auf einmal! Knapp vor dem höchsten Punkt kamen mir Peter und Martin entgegen. Peter reichte mir ein Erdbeertrinkjoghurt, das er in seinen Taschen noch gefunden hat. Martin schob mein Rad, während ich trank. Oben angekommen sahen wir ins Tal. 9 Kilometer bis zur Fähre. 18:38. Insgeheim dachte ein jeder: das geht sich jetzt nicht mehr aus! Trotzdem wollte jeder zeigen, dass er noch an ein Happy End glaubte. Wir stürzten uns mit 52 Km/h den Pass hinunter. Auf meinem GPS-Gerät veränderte sich der Kilometerstand kaum. Am Ende der Abfahrt waren es noch immer 6 Kilometer. 18:46. Ich trat so fest ich konnte in die Pedale, biss meine Zähne zusammen, verdrängte den Schmerz in meiner rechten Wade. Wir konnten die Fähre bereits sehen. 3 Kilometer und es war 18:50. 10 Minuten hatten wir noch Zeit, denn norwegische Fähren legen pünktlich ab. Ein letzter Hügel war zu passieren. Es war mir vollkommen egal, welchen Gesichtsausdruck ich bei dieser letzten Anstrengung machte, wahrscheinlich wie ein Gewichtheber bei 250 Kilo. 4 Minuten vor 19 Uhr schossen wir drei Seite an Seite den Hügel hinunter, passierten spielende Kinder, Senioren, die die Spätnachmittagssonne genossen. Dann noch eine letzte Kurve und die Einfahrt zur Fährstation. 18:58: Ziel erreicht!!!! Wir standen vor einer leeren Fähre! Die Autos durften noch nicht auffahren und wir mussten auch noch ein Ticket lösen (490 Kronen). Wir hatten es tatsächlich auf die Fähre geschafft! Wir konnten unser Glück gar nicht fassen! Unsere Fahrräder wurden mit einem Seil festgezurrt und dann gingen wir Richtung Cafe an Bord. Wir genossen noch die Abfahrt und dann legten wir uns erschöpft auf eine Bank. Wir hofften, dass das Cafe irgendwann während der Fahrt auf sperrte, da wir wahnsinnig durstig waren. Martin und ich wachten erst wieder knapp vor Andenes auf. 1 ½ Stunden hatten wir verschlafen! Peter hat sich wieder für uns die Überfahrt angesehen.
Ich war so stolz auf uns und auf unseren Teamgeist, dass ich die beiden zu einem wirklich sehr guten Abendessen einlud. Um 23:45 Uhr trafen wir beim Camping Platz ein, sahen uns die Mitternachtssonne an und gingen zufrieden schlafen.



Sonntag, 26. Juli

Am Sonntag stand Wale-watching am Programm! Um 11 Uhr ging das Programm mit einer Einführung in die Walkunde los. Es war sehr interessant. Männliche Wale schwimmen nach Norwegen, da hier die Kontinentalplatte abbricht und das Meer eine Tiefe von mindestens 1000 Metern erreicht. Bei dieser Abbruchstelle tummeln sich alle möglichen Fische, die von anderen Fischen gefressen werden. Hier können sich die Wale richtig satt fressen. Wenn sie genug Körperfett angelegt haben, schwimmen sie wieder in den Süden in wärmere Gewässer, wo sich die weiblichen Tiere aufhalten. Man ist ca. 1 Stunde mit dem Boot von Andenes unterwegs bis man diese tiefen Stellen erreicht. Und wirklich: dort trieben sich einige Wale herum. Wir sahen sie spritzen und abtauchen, faul im Wasser dahingeiten! Große und kleinere Tiere. Leider waren sie sehr schwer zu fotografieren, da der Autofokus meiner Kamera sehr langsam war. Trotzdem war es ein großes Erlebnis.

Samstag, 25. Juli 2009

Die Fahrt zu den Lofoten

Freitag, 24. Juli
Heute ging es wieder weiter. Irgendwie hatten wir alle eine komische Stimmung. Einerseits hat uns Tromso sehr gut gefallen. Es ist die Stadt, wo die meisten Polarexpeditionen ihren Ausgang nehmen, in der das beste Bier der Region gebraut wird, eine gute Fußballmanschaft spielt, viele Studenten ihre Ausbildung erhalten. Andererseits ist alles ein bisserl teurer als am Land. Das Nachstellen der Fahrradschaltungen kostete 20 Euro. Und es war nicht die hervorragende enzovelo-Qualität, die wir gewohnt waren. Martin wollte unbedingt noch zum Burger King, bevor wir weiter fuhren. Richtiges Junk food hatten wir eigentlich noch nie auf unserer Reise gegessen, doch seit heute wissen wir auch, dass wir es nicht mehr sobald essen werden, denn es gibt nicht wirklich aus – man ist nach kurzer Zeit wieder hungrig.
Ich musss gestehen, eigentlich wollten wir auf unserer Reise immer um 9 Uhr Schluss machen, wir wollten nie mehr als 80 Kilometer fahren, bei Regen nur kurze Strecken zurück legen. Aber wenn man so schön im Fahren ist, man nachdenken und träumen kann, die Gegend genießt, kein Verkehr auf der 862 ist, die Fähre pünktlich erreicht (und dabei einen Jaguar, der uns vor einer halben Stunde überholt hat, wieder einholt), Krebse, Seesterne, Fische und Quallen beobachtet in einer Pause, endlich einen Elch sehen will dann …
100 Kilometer sind es geworden, bis 1 Uhr in der Nacht sind wir gefahren bei strömenden Regen, durch Tunnels, über Passhöhen, bei Schneefeldern vorbei. Wir haben es genossen! Wir sind wieder on the long track! Martin meinte, dass er noch nie auf einer Reise erlebt hat, wie auf dieser. Nächstes Jahr macht er dann aber wieder eine Luxusreise via Interrail!
Wir sind heute in einem ganz nobeln Schuppen (Motel) in Maerfjord abgestiegen. Der Rezeptionist studiert Sprachwissenschaft, Deutsch, Französisch und Geschichte in Tromso. Leider hatten sie nur Zwei-Bett Zimmer. Martin schlief heute am Boden, aber wir sind alle harte Burschen. Hauptsache ein trockenes Zimmer mit Fernseher und Country-Musik zum Einschlafen!

Freitag, 24. Juli 2009

Von Svensby nach Tromso

Mittwoch, 22. Juli
Der Morgen verging recht rasch und wir konnten um 13 Uhr die Fähre nehmen. Für heute gab es nur eine kleine Überlandfahrt von 45 Kilometern, die keine Veränderungen zu den Tagen davor ergab. Peter hatte ebenfalls einen Patschen und damit wurde er in den hehren Kreis der neuen Schlauchbesitzer aufgenommen. In Tromso bezogen wir die vorletzte Hütte des Campingplatzes. Wir hatten wirklich Glück. Dort trafen wir die Deutschen Andreas und Stephan wieder. Sie sind uns seit Alta gefolgt, und haben uns während der Fahrt gesehen. Am Abend ging Martin noch ein bisschen fort, während Peter und ich uns einen gemütlichen Abend auf der Couch machten.

Donnerstag, 23. Juli
In der Früh (eigentlich zu Mittag, wir hatten etwas länger geschlafen) mussten wir die Hütte wechseln. Leider ist der Campingplatz sehr strikt organisiert, so dass die Ankommenden nicht umgebucht werden konnten. Die Hütte, die wir neu beziehen mussten, war um 30 Euro billiger, aber trotzdem komfortabler! Nach diesem Umzug machten wir zu dritt Tromso unsicher. Zuerst mussten wir über eine sehr hohe Brücke, dann ging es sofort in die Shoppingmeile. Bei Intersport bekam Peter neue Fahrradmäntel und Schläuche. Wir konnten den ganzen Einkauf auf Deutsch abwickeln, denn der Verkäufer hatte ein Häuschen in Niederösterreich! Der nächste Stop war J&C, um für mich eine Jeans zu kaufen. Peter machte ein Paparazzi-Foto, wie ich das Geschäft verließ! Voll erwischt! Ein wirklicher Reiseradler braucht zwei Dinge: Eine Jeans und Cowboy-Stiefel. Zweiteres ist vollkommen sinnlos, aber ein Markenzeichen aller Weltumradler. In ein paar Jahren könnte ich auch stolzer Besitzer dieser Stiefel sein, aber soweit wollen wir jetzt noch nicht denken.
Da wir wieder einmmal sehr spät dran waren, hatten wir natürlich die Führung durch die Bierbrauerei Mack verpasst. Dafür haben wir uns ins dazugehörige Pub gesetzt und zwei Krügerl getrunken. Da in dieser Brauerei auch Coca-Cola für ganz Norwegen abgefüllt wird, schloß sich Peter mit einem Krügerl Cola unserem norwegischem Trinkgelage an. Vierzig Minuten später trafen wir unsere beiden Deutschen Bekannten, die die Führung mitgemacht hatten. Das Trinkgespräch drehte sich natürlich um Fußball und die dazugehörigen Mythen (Stichwort Cordoba). Sie erzählten uns, dass es auch in Deutschland ein Spiel gab, das in der Erinnerung der deutschen Nation festeingebrannt ist. Nur einmal spielte die Bundesrepublik gegen die DDR und verlor 1:0.
Ein bisschen angeheitert gingen wir ins Biefhuset und bestellten uns Sparerips. Wir bekamen vom Kellner ein Latzerl umgebunden und schon ging es los mit dem Geschmause. Es war gut. Während des Essens hörte Martin, dass heute Tromso ein Fußballspiel in der Stadt bestreitet. Beide Burschen waren gleich Feuer und Flamme und so gingen beide zu einem richtigen norwegischen Fußballmatch. Der Kellner schrieb Martin den Schlachtruf (Heja TIL!) auf ein kleines Post-it, damit er die Mannschaft richtig anfeuern konnte. Ich fuhr zurück zu unserem Campingplatz und schrieb Karten. Ich merke schön langsam, dass ich alt werde!

Donnerstag, 23. Juli 2009

Von Storslett bis Svensby

Dienstag, 21. Juli
Gottseidank hat mich an diesem Tag ein Wecker aufgeweckt, denn sonst hätten wir das gute Frühstück im Hotel verschlafen. Wir waren die letzten beim Frühstück und das machte sich leider sofort bemerktbar: Es gab keine heiße Schokolade für Peter, das heiße Wasser für einen Tee war aus für Peter, der Orangensaft war kurzfristig aus für Peter und es gab nur ein Ei für Peter. Peter hat dieses Hotel in nicht so guter Erinnerung!
Nach dem Frühstück legten sich die beiden Helden zur Verdauung wieder schlafen, und ich radelte in den Nebenort mit Peters Fahrrad, um mir neue Radmäntel zu kaufen. Die Auswahl im Sportgeschäft war riesig! Ich konnte zwischen 20 verschiedenen Mäntel wählen. Da ich nur ein Fahrradbenutzer bin und kein wirklicher Experte fragte ich den Verkäufer, welche Mäntel, denn die besten für meine Tour wären und er drückte mir zwei Continental -Reifen in die Hand und sagte: „These are the best for Norway!“ Ich zahlte, hängte mir die Schläuche quer über den Rücken und radelte wieder die fünf Kilometer zum Hotel zurück. Auf der Fahrt traf ich auch eine ältere Dame mit ihrem Elektromobil. Sie fuhr Zick-zack Kurs oder Kampflinie und telefonierte fleißig. Ich konnte sie erst nach einem Kilometer überholen. Zurück im Hotel war ich überglücklich über meine neue Errungenschaft. Über eine dreiviertel Stunde schaute ich mir die Reifen verträumt an, dann ging ich aufs Zimmer und weckte Martin und Peter. Es dauerte dann noch ca. eine dreiviertel Stunde bis wir gemeinsam an meinem Fahrrad herumbastelten. Peter war für das technische Tuning, ich für die Hilfsdienste und Martin für das Pumpen zuständig. Also, eine perfekte Arbeitsteilung. Nach einer Viertelstunde konnte ich bereits mein Rad wieder beladen! Nach zwei, drei Erinnerungsfotos, ging es gleich den ersten und einzigen Pass über 200 Höhenmeter hinauf. Ich schwitzte wieder das Leiberl durch. Ein Reiseradler mit eher wenig Gepäck überholte uns, auch ein Bergläufer überholte uns. Wir waren heute nicht so gut beisammen. Die Abfahrt musste kurzfristig unterbrochen werden. Vor uns tat sich wieder einmal ein phantastisches Panorama auf. Schneebedeckte Berge, schroffe Steilhänge, glasklares Wasser, in dem sich die Bergspitzen spiegelten und die Sonne reflektierte. Wir fotografierten und filmten, dann fuhren wir fünf Kilometer weiter. Wieder zwang uns das Panorama zum Stehenbleiben. Wir waren überwältigt. Nur langsam kamen wir so voran, aber wir genossen jede Sekunde der heutigen Fahrt. Es war auch ein Prachtwetter! Fast keine Wolke am Himmel, die Sonne strahlte bei ca. 12 Grad, es war großteils windstill. Für die ersten 45 Kilometer brauchten wir mehrere Stunden. Um 17.05 kamen wir in Olderdalen an, wo die Fähre genau vor fünf Minuten abgelegt hatte. So mussten wir auf die übernächste Fähre warten, weil wir kurzfristig beschlossen, beim Kiosk an der Anlegestelle Mittag zu essen. Peter aß zwei Hotdogs und eine Riesenportion Pommes, Martin zwei Hamburger (je 160 g Fleisch!) und ich zwei Hühnerkeulen und Pommes. Dies klingt zwar nicht sehr gesund, aber uns war das in diesem Moment ziemlich wurscht. Wir hatten Gusto auf Fleisch! Zumindest für morgen haben wir uns wieder vorgenommen, Spaghetti zu essen, um einerseits Geld zu sparen und andererseits uns fleischlos zu ernähren. Die Fahrt mit dem Schiff war sehr beruhigend und dauerte eine halbe Stunde. Peter hat für uns drei aus dem Fenster gesehen. Martin und ich bekamen von der Überfahrt nichts mit, wir fröhnten unserem Mittagsschläfchen. Die weiteren 22 Kilometer auf dem Rad nach Svensby haben wir schnell hinter uns gebracht, dort eine Hütte gemietet (ans Zelten ist bei den derzeitigen Temperaturen nicht ganz zu denken und eine Dusche am Abend ist etwas wunderbares!) Die Räder abgestellt und den Abend verfaulenzt! Ein wunderbarer Tag ist sehr rasch zu Ende gegangen.

Dienstag, 21. Juli 2009

Von Alta bis Storslett

Sonntag, 19. Juli
Nach einem Ruhetag fühlt man sich in der Früh gleich wieder fit und glaubt, man kann Bäume ausreißen! Wir hatten gestern Abend beschlossen unsere Route etwas abzuändern. Wir wollen nun nach Tromso fahren und danach auf die Nordspitze der Lofoten, um Wale zu beobachten. Die Planung sieht vor, dass wir wahrscheinlich am Mittwoch in Tromso sein werden. Um 12.30 Uhr ging es dann von Alta los. Langsam fuhren wir nochmals durch die ganze Stadt und schauten aufmerksam nach links und rechts. Leider konnten wir in Alta keine wirklich relevanten Sehenswürdigkeiten ausmachen. Das Museum mit den Höhlenzeichnungen werden wir höchstwahrscheinlich in unserer Pension nachholen. Kaum hatten wir die Stadt verlassen, ging es schon wieder bergauf. Es war zwar nur ein kurzes Stück, aber das rief uns sogleich in Erinnerung, warum wir auf dem Weg nach Alta soviele Kraftreserven aufgebraucht hatten. Wir hatten phantastische Aussichten auf das Fjord und die Berge. Möwen kreischten zufrieden, Angler versuchten bei Bachmündungen ihr Glück. Das Wetter passte gut und es schien für Minuten die Sonne. Die Küstenstraße entlang der Fjorde ist sehr uneben. Kurze Stücke geht’s rauf, lange runter oder umgekehrt. Man konnte sich auf den Abfahrtspassagen nicht erholen. Vielmehr dienten die Abfahrten zum Schwung holen, um möglichst weit ohne Kraftanstrengung den nächsten steilen Abschnitt hinaufzurollen. So ging es Kilomter um Kilometer dahin. Gebirgsbäche stürzten sich ins Tal. Wir sahen imposante Wasserfälle. An manchen Brücken standen Angler und warteten auf den großen Fang.
Nach 26 Kilometern gab es etwas zu Feiern an diesem Tag: Wir sind bereits 1000 Kilometer geradelt! Wir haben darauf eine Packung mannerschnitten verspeist. Und dann ging es wieder weiter. Hügel um Hügel, Fjord um Fjord. Nach 84 Kilometern war Schluss in Langfjordbotn. Wir waren sehr müde. Schließlich haben wir an diesem Tag auch 800 Höhenmeter bewältigt!






Montag, 20 Juli
Das Wetter war nicht so schlecht. Ein typisches Norwegisches Sommerwetter mit 10-12 Grad und kein Regen. An diesem Tag haben wir zwei Pässe mit je 250 und 450 Höhenmetern überwunden. Die Straße zum zweiten Pass, Gildetun, war teilweise sehr steil und langgezogen, sie führte an reißenden Bächen, an netten Aussichtspunkten und an Schneefeldern vorbei. Martin und Peter hatten diese Strecke ohne abzusteigen bewältigt. Ich habe mir den Luxus gegönnt, manchmal stehen zu bleiben, zu fotografieren und zu schieben. Derzeit bin ich in so guter konditioneller Verfassung, dass es bei einer 9 Prozentigen Steigung fast schon egal ist, ob ich schiebe oder fahre. Der Vorsprung, den Martin und Peter bei solchen Passagen herausfahren, ist wirklich vernachlässigbar. Diesmal hatten die beiden sich sogar einen kleinen Scherz erlaubt. Sie hatten wie sie oben angekommen sind, in der Hütte sofort ein Bier für mich bestellt. Martin musste mittels Pass bei der Theke nachweisen, dass er bereits 21 ist. Sie dachten, dass mein Bier lauwarm sein würde, wenn ich einträfe. Doch weit gefehlt! Es war noch schön kalt und frisch gezapft. Der erste Schluck war eine wirkliche isotonische Wohltat. Ich hatte soviel geschwitzt wie seit dem Nordkapp nicht mehr! Wir mussten uns alle drei umziehen.
Nach dem Pass ging es gemütlich ins Tal hinunter. Wir radelten durch eine wunderschöne Landschaft. Die Möwen kreischten, die Welle schlugen an die Felsen. Die Campingwägen fuhren langsam an uns vorüber und man sah den Fahrern an, dass sie auch die Gegend genossen. Die Aussicht war genial. Jeder Fjord war schöner als der andere. Wir haben auch Fischzuchten gesehen. Insgesamt sind wir an diesem Tag auf 109,8 Kilometer und 1150 Höhenmetern gekommen. Wir mussten die Fahrt in Storslett beenden, 1. Weil es schon spät war und 2. Weil ich bei der Tankstelle in Storslett endgültig meinen Schlauch und meinen Fahrradmantel zerstört habe. Wir stiegen im besten Hotel im Umkreis der nächsten 20 Kilometer ab (dem einzigen) und freuten uns sehr über eine warme Dusche.