Schafe, Kühe, Möwen, Handy, Wecker haben uns in der Früh bereits aus dem Schlaf gerissen. Diesmal war es ein Bagger, der undefinierbare Schürfgeräusche um 7 Uhr in der Früh hinter unserer Hütte von sich gab. Wir ließen die Bauarbeiter noch ein wenig schwitzen, bis wir uns um 11 Uhr zeigten. Sie hatten uns über Nacht eine vollkommen neue, schön asphaltierte Umfahrungstraße vor die Hüttentüre gebaut! Die Spuren unserer Räder sind somit für die nächsten 20 Jahre in Tynset verewigt.
Die ersten Kilometer führten uns Hügelauf- und hügelabwärts den Fluß entlang. Irgendwann einmal wurde uns der Verkehr zu viel.
Es war nicht so sehr das
Verkehrsaufkommen, sondern der Lärm der Laster. Also wechselten wir auf eine kleine Forststraße. Zuerst war sie geschottert, da sie gleich neben der Bahn führte, dann war sie aus einfacher dunkler Erde. Bauern, die uns mit ihren alten Traktoren begegneten, winkten uns freundlich zu. Ein alter Mann beobachtete uns ganz genau durch das geschlossene Fenster, als wir eine Bananenpause machten. Wir nahmen die Schalen natürlich wieder mit, da wir ihn nicht verschrecken wollten und er in zwei, drei Jahren eine Bananenstaude vor seinem großen Fenster zu begutachten hätte. Es war wirklich angenehm zwischen den Bauernhäusern, den Wäldern und Feldern nebeneinander her zu fahren. Jede dreiviertel Stunde überholte uns ein Auto oder kam uns eines entgegen. Von der Ferne hörten wir die Laster, die auf der Dreier fuhren.
Plötzlich tauchte vor uns ein großer Lastwagen mit Baumstämmen auf. Forstarbeiter beluden ihn gerade mit frisch geschnittenen Nadelbäumen, andere saßen zufrieden auf einem Holzstapel und kommentierten das Treiben.
Wir fuhren langsam am Lastwagen vorbei und achteten darauf, dass uns keine Späne ein Loch in unsere Reifen bohrten. Nach etwa 20 Minuten überholte uns der Lastwagen, ein Forstarbeiterjeep und eine Polizeistreife. Beide Polizisten winkten uns fröhlich zu. Die Fahrt verging wie im Flug. In Koppang machten wir eine längere Rast. Ein Hotdog für jeden, eine Süßigkeitenbox und eine Box mit Nüssen vernaschten wir in Nullkommanix. Wir hatten nun mehrere Optionen. Erstens wir übernachten in Koppang in einem Hotel, denn 97 Tageskilometer hatten wir bereits absolviert oder zweitens wir fuhren weiter zu einen der drei kommenden Campingplätzen und mieten uns eine Hütte. Es hatte nämlich leicht zu nieseln angefangen. Die zweite Alternative gefiel uns aus sportlichen und finanziellen Gründen besser. Der erste Campingplatz nach 8 Kilometern war nicht existent. Der zweite Campingplatz entpuppte sich als Gästehaus, der dritte war beim besten Willen nicht zu finden. Wir waren aufgrund des Kartenstudiums davon überzeugt, dass es auch in weiteren 10 Kilometern einen Campingplatz gab. Leider war die Karte zu optimistisch. Dort wo er sein sollte, war nichts. Schön langsam wurde es dämmrig und 22 Uhr. Wir beschlossen weiter zu fahren, denn ob man nun 120 oder 135 Kilometer am Tag fährt ist letztendlich auch schon egal. Bei Kilometer 135 und einem weiteren nicht existierenden Campingplatz beschlossen wir gleich weitere 24 Kilometer nach Rena zu fahren. Dies war der nächste größere Ort, für norwegische Verhältnisse größere Stadt, mit einem Hotel und einem Campingplatz. Mit 25 bis 30 Stundenkilometern rasten wir die Forststraße entlang, denn wir wollten Rena noch vor 23 Uhr erreichen. Doch leider hatte Martin mitten auf der Strecke einen Patschen und wir mußten im strömenden Regen den Reifen wechseln. Der Boxenstopp dauerte nicht einmal 15 Minuten und schon ging es wieder dahin. Um 24 Uhr hatten wir es endlich geschafft. Die letzten Kilometer waren dann doch länger als gedacht, aber dafür belohnten wir uns mit einem hervorragenden Best-Western Hotel in Rena. Großes Zimmer, großer Fernseher mit BBC-Sender, coole Bar mit hervorragenden Chips und Bier. Und für Peter ein Wasserkocher am Zimmer zum Tee-Kochen. Wir genossen noch jeder eine sehr lange heiße Dusche, dann schliefen wir erschöpft ein.

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