Der Kater Garfield hasst Montage, wenn wir unsere Aufstehzeiten der letzten Montage ansehen, könnte man das von uns auch glauben. Um 11 Uhr machten wir uns einen Kaffee und Kakao. Während ich mich auf die Kekse stürzte – ich konnte keine Wurst mehr sehen – schmausten die Burschen Brot mit Pfeffersalami und Käse. Wie wir aus unserer Hütte sahen, waren alle Camper und Hüttennächtiger bereits weg. Auch die Toilletten und die Dusche waren geputzt. Es ist immer gut, wenn man Früh am Morgen nicht belästigt wird! Unsere Vermieter saßen bereits in Badehose und Bikini vor ihrem Haus und faulenzten. Sie sahen uns zu wie wir gemächlich unsere Sachen packten, abwuschen, die Hütte kehrten. Für die norwegischen Vermieter sind wir immer eine nette Abwechslung zu den Anglern, deutschen Campern und zufällig nächtigenden Autofahrern. Sobald wir sagen, dass wir aus Österreich kommen, erzählen sie uns, dass sie in dieser Gegend Bergsteigen waren. Wobei „diese Gegend“ auch die Schweiz umfasst. In einem Reiseführer hatte ich gelesen, dass das Nationalgetränk der Norweger Kaffee ist. Und dies stimmt wirklich. Immer und überall gibt es Kaffee. Das erste Häferl kostet 20 Kronen, das zweite Häferl 10 oder 5 Kronen, manchmal auch gar nichts. Ein diesbezügliches Superangebot gibt es bei den Hurtigruten. Wenn man sich um 205 Kronen ein Häferl kauft, dann kann man bis zum Jahresende gratis auf den Hurtigruten Kaffee oder Tee trinken soviel man will! Und dieser Kaffee schmeckt wirklich gut. Ganz anders verhält es sich mit Bier. Dies gibt es nicht überall zu kaufen. In Supermärkten bekommt man es nur bis 20 Uhr (wochentags) an Samstagen nur bis 16 Uhr, dann wird die Vitrine versperrt. Manche Gasthäuser haben kein offenes Bier, sondern nur Bierdosen. Wenn man nun eine Dose Bier haben möchte, wird diese von einem Kellner in ein Glas gefüllt, gereicht und genau dazu gesagt, wo man das Bier konsumieren darf. Z.
B. Bei einem Campingplatz nur im Restaurantbereich.Fisch gibt es in Norwegen in Hülle und Fülle. An jeder Tankstelle kann man sich die Angelutensilien kaufen. Als Österreicher steht man ganz fasziniert vor der Auswahl an Angelruten, Heringen, Fischmesser, Häscher, etc. In Restaurants hingegen wird nur selten Fisch angeboten. Manchmal ist es gut wenn man danach fragt! Und gleich dazu sagt, dass man aus Österreich ist, und man sich überhaupt nicht auskennt (am besten in gebrochenem Englisch!). Dann hellt sich die Stimmung der norwegischen Köche und Bediensteten auf. Denn sie sind stolz auf ihre Fische und wollen, dass man als Österreicher einen wirklich guten Fisch kredenzt bekommt. Dieses Erlebnis hatten wir heute wieder einmal. Auf der Karte waren nur Fleischgerichte angeschrieben. Doch selbst Martin wollte heute nach seinem gestrigen 330g-Burger einmal pausieren. Als ich den Koch fragte, ob er auch Fisch hätte, freute er sich wie wenn er etwas geschenkt bekommen hätte und sagte, natürlich habe er Fisch und er macht ihn jetzt nur für uns mit der besten Sauce und mit Kartoffeln und Salat. Es dauert aber 20 Minuten, da er alles frisch zubereiten müsse. Wir freuten uns mit ihm. Der Fisch war wirklich köstlich, leider hatten wir keine Ahnung, welchen Fisch wir da aßen. Als der Koch nach 15 Minuten wieder kam und kein Krümelchen auf unseren Teller mehr vorzufinden war, sagte er: „You guys must be really hungry“. Da wir bereits 52 Kilometer geradelt waren, mussten wir noch Sandwiches und auch einen Kuchen, 2 Kaffee und eine heiße Schokolade nachordern.
Leider hatte es in der Zwischenzeit zu regnen begonnen. Martin und ich machten ein kleines Verdauungsnickerchen, während Peter für uns im Internet nachschaute, was sich so in der Welt des Sports in den letzten Tagen getan hatte. Eigentlich waren wir ja urmüde. 45 Kilometer hügelauf, hügelab, lagen noch vor uns. Keine wirklich angenehme Vorstellung. Aber um 21 Uhr gingen wir es wieder an. Der Koch musste irgendein Dopingmittel in den Fisch getan haben, denn plötzlich verspürten wir alle drei Riesenkraftreserven. Mit 25 km/h, oft auch schneller, schoßen wir die Hügelchen hinauf und wieder hinunter. 40 Kilometer radelten wir so dahin. Dann tauchte der erste Campinplatz auf – leider keine Hütte frei. Also weiter zum Motell in 2 Kilometern. Kein Zimmer frei. Also weiter – es war in der Zwischenzeit 23 Uhr – zum nächsten Ort 12 Kilometer entfernt. Campingplatz geschlossen! Die Herbergssuche gestaltete sich an diesem Tag etwas mühsam. Beim geschlossenen Campingplatz – dort sollte angeblich eine große Party sein, von der wir nichts mitbekamen, durften wir dann doch gratis unsere Zelte aufstellen. 102 Kilometer sind es auch an diesem Tag geworden. Damit sind wir schon 2172,5 Kilometer seit dem 8. Juli geradelt.
Dienstag, 4. August
Irgendwer brüllte in der Früh unaufhörlich etwas auf norwegisch. Es muss so um 6 Uhr in der Früh gewesen sein. Ich lugte kurz verschlafen aus meinem Zelt, konnte niemanden erkennen und sah, dass wir sehr schönes Wetter zum Radfahren hatten. Nur wenige Wölchen verzierten den Himmel. Um 8 Uhr stand ich das erste Mal auf und sondierte die Lage. Der Campingplatz war in einem sehr heruntergekommenen Zustand. Ich glaube, dass in den Hütten schon seit Monaten niemand mehr genächtigt hat. Vor manchen Hütten lag Unrat, die Mistkübel waren voll, das Gras seit Wochen nicht mehr gemäht. Einzig die Sanitäranlagen waren tipptop. Zur üblichen Zeit erwachten Martin und Peter. Wir beschlossen, da wir gratis nächtigen durften, frühstücken zu gehen in den nahegelegenen Kro. Der Kro ist das norwegische Pendant zum schwedischen Grill. Man bekommt Frühstück, Mittagessen und Abendessen in einem sehr rustikalen Rahmen angeboten. Es herrscht Selbstbedienung. Martin hatte sich ernsthaft überlegt, ob er nicht gleich zum Frühstück einen Hamburger essen solle, schließlich war es ja gerade 12 Uhr geworden. Erfolgreich konnten wir ihn von diesem Gedanken abbringen und versprachen ihm, dass er in 59 Kilometer entfernten Grong einen Burger essen dürfe. Jetzt müsse er sich mit einem normalen Frühstück zufrieden geben. Dieses Frühstück zog sich dann bis 14 Uhr, denn wir mussten auch noch einen Regenschauer abwarten. Peter hatte die ganze Zeit gegessen und getrunken. Und ihm war die ersten zehn Kilometer sehr schlecht. Heiße Schokolade, Fanta, Milchshake, Wurst, zwei Marzipanwürfel, Nutella und Käse vertrugen sich halt nicht so gut!
Die Fahrt nach Grong war fad.
Wir kannten diese Vegetation bereits, wir wussten, dass sich die E6-Bauer bei der Planung der Strecke, sadistisch austobten und gemeine Steigungen und sinnlose Abfahrten einbauten, die Elche versteckten sich auch im Nadelwald und die Autos überholten uns.
In Grong durfte Martin seinen Burger essen, Peter eine Pizza und ich stürzte mich auf das Buffet (Nudeln mit Broccoli und Lachs sowie gekochter Schinken mit ganzen Erdäpfeln). Die Fahrt nach Oksnes bestand aus drei Teilen. Der erste Teil bestand aus 10 Kilometer Anstieg, der zweite Teil aus ca. 20 Kilometer Abfahrt. Dies war der schönste Teil, denn am Ende der Abfahrt erwartete uns ein großer See, der schön und ruhig im Abendlicht glitzerte. Ich war ganz fasziniert von diesem wunderschönen Anblick, musste mich aber auch auf die Straße konzentrieren, denn mit 54 km/h ist jedes Schlagloch sehr unangenehm. Der dritte Teil unserer Strecke bestand aus sanfter Hügellandschaft.
Hier sahen wir freie Hütten mit Baumbewuchs am Dach! Wie sooft lag der Campingplatz, den wir anstrebten auf dem höchsten Hügel der Umgebung. Wir waren sehr froh, dass wir noch eine Hütte bekamen. Außerdem gab es eine Premiere für uns:
Zum ersten Mal sahen wir auf unserer Reise wieder den Mond! Eine goldene Scheibe, die alle paar Minuten hinter kleinen Wölkchen verschwand. Auch sahen wir so manchen Stern.Mittwoch, 5. August
Trondheim liegt nur mehr 170 Kilometer entfernt, da wir am gestrigen Tag 109,2 Kilometer geradelt sind. So fühlte sich auch unser Körper und Geist an. Müde und schlaff. Wir kauten Brote mit Nugatti und tranken Kaffee ohne Milch. Wir hatten es gestern am Abend nicht geschafft, eine Packung zu kaufen. Aber wenn alles gut geht, wenn wir genug Kraft in unseren Wadeln haben, unsere Fahrräder weiter so gut funktionieren, dann erreichen wir am Donnerstag die große City Trondheim. Der Blick auf die Karte versprach uns eine anstrengede Fahrt bis dahin. Die Strecke nach Oslo wurde zwar auch schon von uns begutachtet, aber die Karte gleich wieder weggelegt. Oslo ist geographisch und mental noch zu weit entfernt.

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