Montag, 27. Juli
Die Wäsche war leider in der Früh noch nicht trocken, sodass wir bis 14.30 Uhr in Andenes bleiben mussten. Wir waren motiviert, trotzdem die Tagesdistanz von 101 km bis Sortland zu schaffen. Die erste halbe Stunde war sehr mühs
am, denn wir hatten Gegenwind. Man trat kräftig in die Pedale und kam kaum vom Fleck. Gottseidank war die Strecke eben. Nach einer dreiviertel Stunde hatten wir den Wind akzeptiert, so wie er eben blies. Schimpfen und Fluchen hatte keinen Zweck. Erst nach eineinhalb Stunden bemerkten wir, dass der Wind sich gelegt hatte. Mit 25 bis 28 km/h brausten wir die Küste entlang. Einsame Sandstrände wechselten sich mit Wiesen und kleine Wäldchen ab. An der gegenüberliegenden Küste konnte man schroffe Steilhänge erkennen. Am Wegesrand blühten Blumen und hie und da fand man schon reife Heidelbeeren.
In Dverberg stand eine nette Kirche gleich an der Küste. Ein romantisches Bild für eine fünf minütige Pause. Im Nachbarort wurde Peter von einer Vermieterin angesprochen, die in A eine kleine Früstückspension betreibt, ob wir nicht bei ihr übernachten wollen. Pro Person würde dies nur 300 Kronen kosten inkl. Frühstück. Das Angebot war wirklich verlockend, aber wir hatten noch nicht einmal die Hälfte unserer Tagesdistanz zurückgelegt. Peter erklärte ihr dies im perfektesten britischen Englisch und erhielt von ihr sogar noch Tipps, welche Orte er sich auf der Reise unbedingt ansehen sollte.
Nach insgesamt 60 Tageskilometern gab es etwas zu feiern.
Wir hatten nun 1.500 Kilometer in 20 Tagen zurückgelegt. Eigentlich nahmen wir dies als Tatsache zur Kenntnis und freuten uns auf ein Hotdog bei der nächsten Tankstelle. Leider gibt es auf den Lofoten nur wenige Tankstellen (ca. alle 50-80 Kilometer eine), deshalb mussten wir ein normales Restaurant aufsuchen. Wir nahmen alle das Gleiche: Lachs mit Gemüse und Creme fraiche. Es war wirklich köstlich! In zwei bis drei Tagen mache ich es selber! Nach dem Essen ging es eben weiter, bis auf einen kleinen Pass mit 70 Höhenmetern, was wirklich nicht der Rede wert war, aber immerhin wir hatten auch an diesem Tag zumindest einen Pass bewältigt. Diesbezügliche Herausforderungen werden uns noch zwischen Bodo und Trondheim erwarten! Während wir so gemütlich dahinzogen, bog eine sportlich bekleidete Dame mit ihrem Trekkingbike auf unsere Straße ein. Wir waren gerade mit Heidelbeersuchen beschäftigt. Wir grüßten freundlich mit Hey! Und nahmen fünf Minuten später die Verfolgung auf. Nach einem Kilometer überholten wir sie. Trotz unseres Gepäcks konnten wir mehr Speed generieren und wir grüßten „Hello again!“ und grinsten. Leider gibt es das Sprichwort „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ , das sich auch bei uns bewahrheitet hat. Warum müssen die Norweger gerade auf unserer Strecke eine hundsgemeine Brücke mit einer Höhe von ca. 50 Metern und einer Steigung, die uns ans Nordkapp erinnerte, hinstellen? Natürlich überholte uns die Radlerin auf der Brücke. Luftig locker zog sie an uns schwitzenden, langsamen Reiseradlern vorbei und grinste. Wir konnten sie nicht mehr einholen. Wir trösteten uns an der Tankstelle in Sortland mit einem Hotdog (Martin), einem Bounty (Peter) und einer heißen Schokolade (Andreas). Dann suchten wir den Campingplatz, der auf einem Hügel nahe dem Stadtzentrum lag, bauten unsere Zelte auf, duschten uns und gingen wiedereinmal zufrieden schlafen.
Die Wäsche war leider in der Früh noch nicht trocken, sodass wir bis 14.30 Uhr in Andenes bleiben mussten. Wir waren motiviert, trotzdem die Tagesdistanz von 101 km bis Sortland zu schaffen. Die erste halbe Stunde war sehr mühs
am, denn wir hatten Gegenwind. Man trat kräftig in die Pedale und kam kaum vom Fleck. Gottseidank war die Strecke eben. Nach einer dreiviertel Stunde hatten wir den Wind akzeptiert, so wie er eben blies. Schimpfen und Fluchen hatte keinen Zweck. Erst nach eineinhalb Stunden bemerkten wir, dass der Wind sich gelegt hatte. Mit 25 bis 28 km/h brausten wir die Küste entlang. Einsame Sandstrände wechselten sich mit Wiesen und kleine Wäldchen ab. An der gegenüberliegenden Küste konnte man schroffe Steilhänge erkennen. Am Wegesrand blühten Blumen und hie und da fand man schon reife Heidelbeeren.
In Dverberg stand eine nette Kirche gleich an der Küste. Ein romantisches Bild für eine fünf minütige Pause. Im Nachbarort wurde Peter von einer Vermieterin angesprochen, die in A eine kleine Früstückspension betreibt, ob wir nicht bei ihr übernachten wollen. Pro Person würde dies nur 300 Kronen kosten inkl. Frühstück. Das Angebot war wirklich verlockend, aber wir hatten noch nicht einmal die Hälfte unserer Tagesdistanz zurückgelegt. Peter erklärte ihr dies im perfektesten britischen Englisch und erhielt von ihr sogar noch Tipps, welche Orte er sich auf der Reise unbedingt ansehen sollte.
Nach insgesamt 60 Tageskilometern gab es etwas zu feiern.
Wir hatten nun 1.500 Kilometer in 20 Tagen zurückgelegt. Eigentlich nahmen wir dies als Tatsache zur Kenntnis und freuten uns auf ein Hotdog bei der nächsten Tankstelle. Leider gibt es auf den Lofoten nur wenige Tankstellen (ca. alle 50-80 Kilometer eine), deshalb mussten wir ein normales Restaurant aufsuchen. Wir nahmen alle das Gleiche: Lachs mit Gemüse und Creme fraiche. Es war wirklich köstlich! In zwei bis drei Tagen mache ich es selber! Nach dem Essen ging es eben weiter, bis auf einen kleinen Pass mit 70 Höhenmetern, was wirklich nicht der Rede wert war, aber immerhin wir hatten auch an diesem Tag zumindest einen Pass bewältigt. Diesbezügliche Herausforderungen werden uns noch zwischen Bodo und Trondheim erwarten! Während wir so gemütlich dahinzogen, bog eine sportlich bekleidete Dame mit ihrem Trekkingbike auf unsere Straße ein. Wir waren gerade mit Heidelbeersuchen beschäftigt. Wir grüßten freundlich mit Hey! Und nahmen fünf Minuten später die Verfolgung auf. Nach einem Kilometer überholten wir sie. Trotz unseres Gepäcks konnten wir mehr Speed generieren und wir grüßten „Hello again!“ und grinsten. Leider gibt es das Sprichwort „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ , das sich auch bei uns bewahrheitet hat. Warum müssen die Norweger gerade auf unserer Strecke eine hundsgemeine Brücke mit einer Höhe von ca. 50 Metern und einer Steigung, die uns ans Nordkapp erinnerte, hinstellen? Natürlich überholte uns die Radlerin auf der Brücke. Luftig locker zog sie an uns schwitzenden, langsamen Reiseradlern vorbei und grinste. Wir konnten sie nicht mehr einholen. Wir trösteten uns an der Tankstelle in Sortland mit einem Hotdog (Martin), einem Bounty (Peter) und einer heißen Schokolade (Andreas). Dann suchten wir den Campingplatz, der auf einem Hügel nahe dem Stadtzentrum lag, bauten unsere Zelte auf, duschten uns und gingen wiedereinmal zufrieden schlafen.Dienstag, 28. Juli
Der Campingplatz in Sortland gehört nicht zu den besten, die wir bisher aufgesucht hatten. Es gab nur eine Dusche für alle, die Herdplatten sahen sehr benützt aus. Wir frühstückten für unsere Verhältnisse früh um 10.30 Uhr. Die Trollfjorden gingen uns nicht mehr aus dem Kopf, hohe Felsen, ein schmaler Fjord, schneebedeckte Gipfel rundherum. Beim Studium der Karte wurde uns aber klar, dass wir nur mit den Hurtigruten zu den Trollfjorden kommen würden. Peter fragte bei der Rezeption des Campingplatzes, wann das nächste Schiff dorthin fahren würde. 13 Uhr von Sortland, es geht nur ein Schiff pro Tag. Es war gerade 12 Uhr geworden, als wir beschlossen, diese Fähre zu nehmen. Das hieß: 2 Zelte abbauen, Schlafsäcke einrollen, Packtaschen justieren, und losradeln! Um 12.45 Uhr stürzten wir uns den Hügel von Sortland hinunter, um 12.55 Uhr fragte ich Touristen, wo die Hurtigruten anlegen. Eine kleine unscheinbare Halle war die Eingangs- und Wartehalle. Sie war leicht zu übersehen.
Als wir mit unseren Rädern durch sie hindurchschritten, sahen wir mehrere Reiseradler bereits draußen warten. Ein deutsches Ehepaar und ein norwegischer Radler klärten uns auf, dass man die Tickets im Schiff kaufen muss. Wir waren erleichtert, denn wir hatten es ja wieder einmal sehr knapp geschafft.
Die MS Nordkapp ist ein sehr großes und schönes Schiff. Zuerst merkten wir nichts davon, da wir unsere Räder im Bauch des Schiffes abstellen mussten. Unsere Räder bekamen eine Schleife mit dem Zielort „Svolvaer“, wie bei einem Flugzeug.
Dann ging es zur Rezeption zum Einchecken. Wir mussten unseren Namen und unser Geburtsdatum angeben und bekamen eine richtige Bordkarte mit Strichcode. Leider hatte ich beim Ausfüllen des Formulars wieder einmal eine richtige Sauklaue und meine Bordkarte trug den Namen Oltrich. Aber so ist das halt im Leben, nobody is perfect. Das Schiff war sehr gepflegt, wie auch die Passagiere.
Leider waren es zu 99 Prozent Pensionisten mit Hörgeräten und Gehhilfen. Wir fühlten uns ein bisschen deplaziert als Radler mit kurzen Hosen und Wind- und Regenjacke. Sehr viele Deutsche waren an Bord. Und so konnten wir eine äußerst bizarre B
egüßung mitverfolgen, als eine etwas ältere Dame zu einem noch gebrechlicheren Mann nach seinem Mittagsschlaf sagte: „Na, sind sie auch wieder von den Toten auferstanden“. Man konnte es fast glauben, da er ein bisschen miefte.
Die Trollfjorden sind eine kleine Einfahrt von drei Kilometern. Auf Fotos sieht sie spektuakulärer aus, als sie wirklich ist. Nach zwanzig Minuten hat man alles gesehen, ein 360 Grad Panorama (Felswände) fotografiert und schon hatte man den Höhepunkt des Tages hinter sich.
Mit 1 ¼ Stunden Verspätung legten wir in Svolvaer an. Das Wetter war grauslich. Regen, Wind, Kälte. Vor 6 Stunden waren wir bei Sonnenschein und 25 Grad gestartet. Also hieß es nun umziehen. Regenjacke und Regenhose, Wasserfeste Schuhe anziehen, und mental daraufvorbereiten, dass die nächsten 50 Kilometer nicht lustig werden. Svolvaer und der Nachbarort Kabelvag sind im Regen nicht wirklich interessant und hügelig. Entlang der E10 geht für mehrere Kilometer sogar ein Radweg, den wir brav benützten (der Asphalt war nämlich besser!). Wir fuhren an Sandstränden und Klippen, Wäldchen und Häuschen vorbei, aber wir hatten keine große Lust anzuhalten. Irgendwann hörte der Regen auf, nur der Wind blies noch recht ordentlich. Auf einer Brücke flog vor uns eine Möwe im gemächlichen Tempo gegen den Wind. Plötzlich blieb sie in der Luft einfach stehen! Der Wind war einfach zu stark. Sogar bei der Abfahrt mussten wir treten! Nach 30 Kilometern träumte Martin laut wieder von einem warmen Hotdog. Wir hatten alle ein bisschen Hunger, doch keine Tankstelle weit und breit, auch kein Restaurant, kein Kaffeehaus, nichts. Nach 40 Kilometern stand ein kleines Schildchen mit der Werbung für ein neues Cafe. Martin hatte die Führung in unserer Karawane übernommen und radelte mit Höchstgeschwindigkeit die 6 Kilometer bis zu diesem kleinen Häuschen. Leider hatte es schon geschlossen. Aber wir wären nicht in Norwegen, wenn dieses Problem eines wäre!
Der Besitzer und sein Assistent sahen uns kommen und öffneten kurzfristig das Lokal, servierten uns kaltes Pepsi, versorgten uns mit frischem Wasser und einem kleinem Schokokuchen für jeden. Ich fotografierte beide und versprach ihnen, Werbung für sie zu machen. Also, sollten Sie einmal auf der 815 auf den Lofoten unterwegs sein und sich denken, da bin ich ja in der Pampa, dann besuchen Sie unbedingt das Kafe Rebecca! Was besseres werden sie dort nicht finden! Erfrischt und gestärkt radelten wir noch eine Stunde bis wir den Campingplatz erreichten. Die Rezeption hatte natürlich um 23.30 Uhr schon geschlossen, so stellten wir unsere Zelte auf einen freien Platz und benutzten noch die Küche um uns schnell ein Abendessen aus unseren letzten Resten zu zaubern. Es gab Spagetthi mit Edamer und Reis mit Karotten und Sojasoße. Am Morgen werden wir frühstücken gehen, da wir außer drei Karotten keine Vorräte mehr haben.
Mittwoch, 29. Juli
Vor unseren Zelten war der Landeplatz der Möwen. Das realisierten wir zum ersten Mal um ca. 4 Uhr in der Früh. Denn Möwen können sehr laut sein und sie nehmen keine Rücksicht auf schlafende menschliche Wesen! So waren wir bereits um 9 Uhr top munter und begaben uns zur Repezeption des Campinplatzes.
Er war der günstigste bisher und auch das Frühstück war vorzüglich. Nur hatten wir nachher einen kleinen Zuckerschock, da wir zuviel Süßes gegessen hatten. An diesem Tag konnten wir keine Schokolade oder anderes Dessert mehr sehen! Nebel hing noch an den Hügeln rings herum, die Sonne blinzelte zwischendurch. Ein ideales Radfahrwetter. Wir hatten uns vorgenommen, bis an die Südwestspitze der Lofoten zu radeln. Wahrscheinlich zum Ort mit dem kürzesten Namen, nämlich A. Sicherheitshalber fragten wir auch noch an der Rezeption unseres Campingplatzes wann die letzte Fähre nach Bodo ginge. 21.15 Uhr war die Antwort. Um A zu sehen und wieder nach Moskenes zurückzufahren waren es genau 86 Kilometer. Aufgrund unserer Erfahrung wussten wir, dass dies nachdem wir um 13 Uhr losradelten, locker zu schaffen sein würde. Die Fahrt war die ersten zwei Stunden sehr angenehm. Die Bergspitzen waren schamhaft mit Nebel verhüllt, die Ebbe legte perfektes Nahrungsgebiet für die Möwen frei, der Verkehr auf der 815 und weiter auf der E10 hielt sich in Grenzen. Wir mussten an diesem Tag wieder mehrere Tunnel passieren. Die Autofahrerer waren diesmal etwas schneller unterwegs, wir hatten aber zum Glück einen eigenen erhöhten Fahrradstreifen, so dass wir mit dem Verkehr nicht in Berührung kamen. In einem Tunnel sprang Martin die Kette heraus. Martin war sehr verärgert, eigentlich sollte seit Tromso alles an seinem Rad passen. Nach dem Tunnel und einer kleinen Inspektion der Schaltung beschlossen wir, Martins Fahrrad in Bodo nochmals general überholen zu lassen. Auf der weiteren Fahrt traten keine technischen Komplikationen mehr auf. Nach einer kleinen Muschelsuche, 40 Kilometer vor A, in einer kleinen wunderschönen Bucht, ging es bis nach Ramberg. Dort wollten wir in einem Restaurant zu Mittag essen. Wie wir die Karte studieren und die Preise der Speisen lesen kam uns allen dreien in den Sinn: Da bleiben wir nicht! 30 Euro für das billigste Hauptgericht, sprengt unseren finanziellen Rahmen. Gerade im Gehen begriffen, kam uns die Kellnerin entgegen und fragte warum wir denn schon gehen. Ich sagte ihr, dass wir nur einen kleinen Hamburger essen wollten. Sie lächelte und deutete auf eine unscheinbare Karte (ein zusammengefalteter A4-Zettel) auf unseren Tisch. Sie hatten Hamburger und Fischsuppe und Pommes! Zu wirklich günstigen Preisen! Wir blieben und wir bekamen die besten Hamburger unserer Reise, selbstgemachte knusprige Pommes, eine ausgezeichnete Fischsuppe, zusammengerchnet dazu einen ganzen Laib Brot und Butter. Im Schlaraffenland kann man sicher nicht besser essen! Leider hatten wir wieder einmal nicht bedacht, dass man mit wirklich vollem Magen nicht so schnell fahrradfahren kann! Die ersten Kilometer zogen sich nach dem Essen. Ich dachte, ich hätte Mühsteine in meinen Packtaschen. Das Wetter wurde auch immer schlechter. Nebel zog um die Ecke und die Sicht beschränkte sich auf 15 Meter. Es herrschten ähnliche Verhältnisse wie am Nordkapp. Wir glaubten schon, dass wir wieder Nebelfotos wie am Nordkapp produzieren werden, wenn wir in A ankommen. Doch weit gefehlt. 7 Kilometer vor A lichtete sich der Nebel. Es herrschte Postkartenwetter.
Um 20.15 trudelten wir
in A ein. Übrigens ein sehr touristischer Ort. Rucksacktouristen wanderten zur Jugendherberge.
Wir beschlossen nicht in A zu bleiben, sondern mit der Fähre nach Bodo zu fahren.
Der Campingplatz in Sortland gehört nicht zu den besten, die wir bisher aufgesucht hatten. Es gab nur eine Dusche für alle, die Herdplatten sahen sehr benützt aus. Wir frühstückten für unsere Verhältnisse früh um 10.30 Uhr. Die Trollfjorden gingen uns nicht mehr aus dem Kopf, hohe Felsen, ein schmaler Fjord, schneebedeckte Gipfel rundherum. Beim Studium der Karte wurde uns aber klar, dass wir nur mit den Hurtigruten zu den Trollfjorden kommen würden. Peter fragte bei der Rezeption des Campingplatzes, wann das nächste Schiff dorthin fahren würde. 13 Uhr von Sortland, es geht nur ein Schiff pro Tag. Es war gerade 12 Uhr geworden, als wir beschlossen, diese Fähre zu nehmen. Das hieß: 2 Zelte abbauen, Schlafsäcke einrollen, Packtaschen justieren, und losradeln! Um 12.45 Uhr stürzten wir uns den Hügel von Sortland hinunter, um 12.55 Uhr fragte ich Touristen, wo die Hurtigruten anlegen. Eine kleine unscheinbare Halle war die Eingangs- und Wartehalle. Sie war leicht zu übersehen.
Als wir mit unseren Rädern durch sie hindurchschritten, sahen wir mehrere Reiseradler bereits draußen warten. Ein deutsches Ehepaar und ein norwegischer Radler klärten uns auf, dass man die Tickets im Schiff kaufen muss. Wir waren erleichtert, denn wir hatten es ja wieder einmal sehr knapp geschafft.
Die MS Nordkapp ist ein sehr großes und schönes Schiff. Zuerst merkten wir nichts davon, da wir unsere Räder im Bauch des Schiffes abstellen mussten. Unsere Räder bekamen eine Schleife mit dem Zielort „Svolvaer“, wie bei einem Flugzeug.
Dann ging es zur Rezeption zum Einchecken. Wir mussten unseren Namen und unser Geburtsdatum angeben und bekamen eine richtige Bordkarte mit Strichcode. Leider hatte ich beim Ausfüllen des Formulars wieder einmal eine richtige Sauklaue und meine Bordkarte trug den Namen Oltrich. Aber so ist das halt im Leben, nobody is perfect. Das Schiff war sehr gepflegt, wie auch die Passagiere.
Leider waren es zu 99 Prozent Pensionisten mit Hörgeräten und Gehhilfen. Wir fühlten uns ein bisschen deplaziert als Radler mit kurzen Hosen und Wind- und Regenjacke. Sehr viele Deutsche waren an Bord. Und so konnten wir eine äußerst bizarre B
egüßung mitverfolgen, als eine etwas ältere Dame zu einem noch gebrechlicheren Mann nach seinem Mittagsschlaf sagte: „Na, sind sie auch wieder von den Toten auferstanden“. Man konnte es fast glauben, da er ein bisschen miefte.
Die Trollfjorden sind eine kleine Einfahrt von drei Kilometern. Auf Fotos sieht sie spektuakulärer aus, als sie wirklich ist. Nach zwanzig Minuten hat man alles gesehen, ein 360 Grad Panorama (Felswände) fotografiert und schon hatte man den Höhepunkt des Tages hinter sich.
Mit 1 ¼ Stunden Verspätung legten wir in Svolvaer an. Das Wetter war grauslich. Regen, Wind, Kälte. Vor 6 Stunden waren wir bei Sonnenschein und 25 Grad gestartet. Also hieß es nun umziehen. Regenjacke und Regenhose, Wasserfeste Schuhe anziehen, und mental daraufvorbereiten, dass die nächsten 50 Kilometer nicht lustig werden. Svolvaer und der Nachbarort Kabelvag sind im Regen nicht wirklich interessant und hügelig. Entlang der E10 geht für mehrere Kilometer sogar ein Radweg, den wir brav benützten (der Asphalt war nämlich besser!). Wir fuhren an Sandstränden und Klippen, Wäldchen und Häuschen vorbei, aber wir hatten keine große Lust anzuhalten. Irgendwann hörte der Regen auf, nur der Wind blies noch recht ordentlich. Auf einer Brücke flog vor uns eine Möwe im gemächlichen Tempo gegen den Wind. Plötzlich blieb sie in der Luft einfach stehen! Der Wind war einfach zu stark. Sogar bei der Abfahrt mussten wir treten! Nach 30 Kilometern träumte Martin laut wieder von einem warmen Hotdog. Wir hatten alle ein bisschen Hunger, doch keine Tankstelle weit und breit, auch kein Restaurant, kein Kaffeehaus, nichts. Nach 40 Kilometern stand ein kleines Schildchen mit der Werbung für ein neues Cafe. Martin hatte die Führung in unserer Karawane übernommen und radelte mit Höchstgeschwindigkeit die 6 Kilometer bis zu diesem kleinen Häuschen. Leider hatte es schon geschlossen. Aber wir wären nicht in Norwegen, wenn dieses Problem eines wäre!
Der Besitzer und sein Assistent sahen uns kommen und öffneten kurzfristig das Lokal, servierten uns kaltes Pepsi, versorgten uns mit frischem Wasser und einem kleinem Schokokuchen für jeden. Ich fotografierte beide und versprach ihnen, Werbung für sie zu machen. Also, sollten Sie einmal auf der 815 auf den Lofoten unterwegs sein und sich denken, da bin ich ja in der Pampa, dann besuchen Sie unbedingt das Kafe Rebecca! Was besseres werden sie dort nicht finden! Erfrischt und gestärkt radelten wir noch eine Stunde bis wir den Campingplatz erreichten. Die Rezeption hatte natürlich um 23.30 Uhr schon geschlossen, so stellten wir unsere Zelte auf einen freien Platz und benutzten noch die Küche um uns schnell ein Abendessen aus unseren letzten Resten zu zaubern. Es gab Spagetthi mit Edamer und Reis mit Karotten und Sojasoße. Am Morgen werden wir frühstücken gehen, da wir außer drei Karotten keine Vorräte mehr haben.Mittwoch, 29. Juli
Vor unseren Zelten war der Landeplatz der Möwen. Das realisierten wir zum ersten Mal um ca. 4 Uhr in der Früh. Denn Möwen können sehr laut sein und sie nehmen keine Rücksicht auf schlafende menschliche Wesen! So waren wir bereits um 9 Uhr top munter und begaben uns zur Repezeption des Campinplatzes.
Er war der günstigste bisher und auch das Frühstück war vorzüglich. Nur hatten wir nachher einen kleinen Zuckerschock, da wir zuviel Süßes gegessen hatten. An diesem Tag konnten wir keine Schokolade oder anderes Dessert mehr sehen! Nebel hing noch an den Hügeln rings herum, die Sonne blinzelte zwischendurch. Ein ideales Radfahrwetter. Wir hatten uns vorgenommen, bis an die Südwestspitze der Lofoten zu radeln. Wahrscheinlich zum Ort mit dem kürzesten Namen, nämlich A. Sicherheitshalber fragten wir auch noch an der Rezeption unseres Campingplatzes wann die letzte Fähre nach Bodo ginge. 21.15 Uhr war die Antwort. Um A zu sehen und wieder nach Moskenes zurückzufahren waren es genau 86 Kilometer. Aufgrund unserer Erfahrung wussten wir, dass dies nachdem wir um 13 Uhr losradelten, locker zu schaffen sein würde. Die Fahrt war die ersten zwei Stunden sehr angenehm. Die Bergspitzen waren schamhaft mit Nebel verhüllt, die Ebbe legte perfektes Nahrungsgebiet für die Möwen frei, der Verkehr auf der 815 und weiter auf der E10 hielt sich in Grenzen. Wir mussten an diesem Tag wieder mehrere Tunnel passieren. Die Autofahrerer waren diesmal etwas schneller unterwegs, wir hatten aber zum Glück einen eigenen erhöhten Fahrradstreifen, so dass wir mit dem Verkehr nicht in Berührung kamen. In einem Tunnel sprang Martin die Kette heraus. Martin war sehr verärgert, eigentlich sollte seit Tromso alles an seinem Rad passen. Nach dem Tunnel und einer kleinen Inspektion der Schaltung beschlossen wir, Martins Fahrrad in Bodo nochmals general überholen zu lassen. Auf der weiteren Fahrt traten keine technischen Komplikationen mehr auf. Nach einer kleinen Muschelsuche, 40 Kilometer vor A, in einer kleinen wunderschönen Bucht, ging es bis nach Ramberg. Dort wollten wir in einem Restaurant zu Mittag essen. Wie wir die Karte studieren und die Preise der Speisen lesen kam uns allen dreien in den Sinn: Da bleiben wir nicht! 30 Euro für das billigste Hauptgericht, sprengt unseren finanziellen Rahmen. Gerade im Gehen begriffen, kam uns die Kellnerin entgegen und fragte warum wir denn schon gehen. Ich sagte ihr, dass wir nur einen kleinen Hamburger essen wollten. Sie lächelte und deutete auf eine unscheinbare Karte (ein zusammengefalteter A4-Zettel) auf unseren Tisch. Sie hatten Hamburger und Fischsuppe und Pommes! Zu wirklich günstigen Preisen! Wir blieben und wir bekamen die besten Hamburger unserer Reise, selbstgemachte knusprige Pommes, eine ausgezeichnete Fischsuppe, zusammengerchnet dazu einen ganzen Laib Brot und Butter. Im Schlaraffenland kann man sicher nicht besser essen! Leider hatten wir wieder einmal nicht bedacht, dass man mit wirklich vollem Magen nicht so schnell fahrradfahren kann! Die ersten Kilometer zogen sich nach dem Essen. Ich dachte, ich hätte Mühsteine in meinen Packtaschen. Das Wetter wurde auch immer schlechter. Nebel zog um die Ecke und die Sicht beschränkte sich auf 15 Meter. Es herrschten ähnliche Verhältnisse wie am Nordkapp. Wir glaubten schon, dass wir wieder Nebelfotos wie am Nordkapp produzieren werden, wenn wir in A ankommen. Doch weit gefehlt. 7 Kilometer vor A lichtete sich der Nebel. Es herrschte Postkartenwetter.
Um 20.15 trudelten wir
in A ein. Übrigens ein sehr touristischer Ort. Rucksacktouristen wanderten zur Jugendherberge.
Wir beschlossen nicht in A zu bleiben, sondern mit der Fähre nach Bodo zu fahren.

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