Sonntag
Der Sonntag begann mit einem frugalen Mahl, nämlich mit Lachsbrötchen, gutem Kaffee und Kakao. Dies hatten wir alles am Vortag im Supermarkt eingekauft und uns auch schon sehr darauf gefreut. Unsere Vermieterin hatte uns erzählt, dass die nächste Etappe bis Karasjok sehr flach sein würde und wir uns kaum anstrengen müssten. Als wir los starteten war dies wirklich so. Wir konnten uns zwei Kilometer schön treiben lassen und die Umgebung genießen. Doch dann plötzlich tauchten zwei sehr knackige Steigungen hintereinder auf und wir zweifelten bereits an der Wegbeschreibung unserer Vermieterin. Wir dachten schon, sie leide an Demenz, als dann doch noch die versprochene fast 30 Kilometer flache Straße, die einem Flußlauf folgte. Bis Karasjok war es also doch eher ein Kinderspiel. Die Landschaft war geprägt von zwei Meter hohen Birken und einigen Sträuchern. Dort, wo der Fluß sich zeigte, ergab sich ein wild-romatisches Bild. Auf dem Weg nach Karasjok trafen wir auch einen wirklichen schwedischen Reiseradler. Er stammt von einem kleinen Ort unterhalb von Stockholm und ist bereits nach Norwegen gefahren bis ans Nordkapp und war auf einer äußerst kreativen Route auf dem Weg zurück nachhause. Er hatte schon über 2.500 Kilometer in den Beinen – und so sah er auch aus: Kein Gramm Fett zuviel am Körper, sehr sportlich aber auch sehr zufrieden. Er erzählte uns, was wir auf unserer Strecke noch erwarten würden und wünschte uns viel Spaß und Erfolg bei unserer Unternehmung. Wir waren voller Respekt für diesen eifrigen älteren Herrn! Karasjok gibt nicht viel her, außer man interessiert sich für moderne Architektur. In einem Zelt nachempfundenen Neubau kann man ein Museum und eine Bibliothek der Samen bewundern. Da wir noch nicht im Pensionsalter sind, haben wir uns mental vorgestellt, wie dieses Gebäude wohl von innnen aussehen möge. Das kulinarische Angebot beschränkt sich in dieser Ortschaft sehr. Ein Grill und eine Tankstelle, die wiederum heiße Würstel anbietet, sind die lukullischen Highlights dieses Ortes. Im Grill gab es Rentier-Buffet und ein sehr gutes Grillhuhn! Dann ging es nach einer kurzen Verdauungspause auf die E6 Richtung Leavdinja. Wir erreichten nach einem zehnminütigen Anstieg eine Hochebene und wir konnten bereits in der Ferne schneebedeckte Berge sehen.
Der Sonntag begann mit einem frugalen Mahl, nämlich mit Lachsbrötchen, gutem Kaffee und Kakao. Dies hatten wir alles am Vortag im Supermarkt eingekauft und uns auch schon sehr darauf gefreut. Unsere Vermieterin hatte uns erzählt, dass die nächste Etappe bis Karasjok sehr flach sein würde und wir uns kaum anstrengen müssten. Als wir los starteten war dies wirklich so. Wir konnten uns zwei Kilometer schön treiben lassen und die Umgebung genießen. Doch dann plötzlich tauchten zwei sehr knackige Steigungen hintereinder auf und wir zweifelten bereits an der Wegbeschreibung unserer Vermieterin. Wir dachten schon, sie leide an Demenz, als dann doch noch die versprochene fast 30 Kilometer flache Straße, die einem Flußlauf folgte. Bis Karasjok war es also doch eher ein Kinderspiel. Die Landschaft war geprägt von zwei Meter hohen Birken und einigen Sträuchern. Dort, wo der Fluß sich zeigte, ergab sich ein wild-romatisches Bild. Auf dem Weg nach Karasjok trafen wir auch einen wirklichen schwedischen Reiseradler. Er stammt von einem kleinen Ort unterhalb von Stockholm und ist bereits nach Norwegen gefahren bis ans Nordkapp und war auf einer äußerst kreativen Route auf dem Weg zurück nachhause. Er hatte schon über 2.500 Kilometer in den Beinen – und so sah er auch aus: Kein Gramm Fett zuviel am Körper, sehr sportlich aber auch sehr zufrieden. Er erzählte uns, was wir auf unserer Strecke noch erwarten würden und wünschte uns viel Spaß und Erfolg bei unserer Unternehmung. Wir waren voller Respekt für diesen eifrigen älteren Herrn! Karasjok gibt nicht viel her, außer man interessiert sich für moderne Architektur. In einem Zelt nachempfundenen Neubau kann man ein Museum und eine Bibliothek der Samen bewundern. Da wir noch nicht im Pensionsalter sind, haben wir uns mental vorgestellt, wie dieses Gebäude wohl von innnen aussehen möge. Das kulinarische Angebot beschränkt sich in dieser Ortschaft sehr. Ein Grill und eine Tankstelle, die wiederum heiße Würstel anbietet, sind die lukullischen Highlights dieses Ortes. Im Grill gab es Rentier-Buffet und ein sehr gutes Grillhuhn! Dann ging es nach einer kurzen Verdauungspause auf die E6 Richtung Leavdinja. Wir erreichten nach einem zehnminütigen Anstieg eine Hochebene und wir konnten bereits in der Ferne schneebedeckte Berge sehen.
Wir fuhren diesen Bergen immer weiter entgegen. Die beiden Bergsteiger meiner Reisegruppe
bekamen ganz leuchtende Augen und träumten bereits von Besteigungen. Ich träumte hingegen vom Meer, das sich noch ca. 80 Kilometer entfernt befand. Wir hatten es uns zum Ziel gesetzt dieses auch am Sonntag zu erreichen. Martin und ich stellten uns schon bildhaft vor, dass wir eine Stunde dann am Ufer sitzen und den Meeresrauschen lauschen werden – mit einem guten kühlen Bier. Peter stellte sich das ähnlich vor – mit einem gekühlten Cola (ja so sind heute wohlerzogene 16jährige !). Lange Abfahrten und kurze knackige Anstiege versüßten unsere Träume. Der Tacho zeigte Spitzengeschwindigkeiten in die eine und in die andere Richtung. Die Kilometer wurden immer weniger. Von einer kleinen Anhöher sieht man auf Leavdinja hinunter und sieht auch die gerade Abfahrt. Wir haben uns so gefreut, endlich am Meer zu sein. Doch leider, Leavdinja liegt ca. 1 Kilometer vom Meer entfernt, gibt touristisch nichts her, hat zwei überteuerte Hotels und ein Einkaufzentrum und das wars. Die Kirche liegt übrigens auf einer kleinen Anhöhe und ist nicht von architekturhistorischen Interesse. Wir waren enttäuscht! Wir wollten ein Bed & Breakfast – doch das gab es nicht. Also radelten wir müde (wir hatten schon 124 Kilometer in den Beinen) weiter, bis wir eine sehr hübsche norwegische Radlerin trafen, die uns sagte, dass es in ca. 15 Kilometer einen schönen Campingplatz gäbe. Also, nichts wie hin! Nach weiteren 4 Kilometern konnten wir das Meer wirklich sehen, bis dahin hatte sich die E6 zwischen der Zivilisation dahingeschlängelt.
Am Strand parkte ein deutscher Wohnwagen und der Besitzer erzählte uns ebenfalls von diesem Campingplatz, aber leider etwas ganz anderes: 1. Überteuert (sie verlangen dort für Strom fürs Wohnmobil 20 Euro), 2. Überheblich (der Vermieter habe sie herblassend behandelt), und 3. Schon voll. Wir dachten uns, dass es einen Versuch wert wäre, die beiden Versionen zu überprüfen und so sind wir nach kurzer Fahrt dort eingetroffen. Um es kurz zu machen: Es ist ein ganz hervorragender Campingplatz, ein Geheimtipp, nicht teuer, sehr freundlich, sehr kompetent, sehr zuvorkommend! Wir waren überaus glücklich wieder eine Hütte für uns zu haben (inkl. Dusche!! Und WC und Fernseher, Mikrowellenherd, Kühlschrank und gratis WLAN). Da wir um 23 Uhr noch Hunger hatten, fragten wir den Vermieter, ob es noch eine Pizza gäbe. Im ersten Moment verneinte er und sagte, die Küche sei ab 21 Uhr geschlossen. Wir waren natürlich enttäuscht, bis er uns freudig sagte, dass das jetzt nur ein Scherz gewesen sei. Natürlich mache er uns jetzt noch eine Pizza. Es dauere halt nur 30 Minuten bis sie fertig sei. Wir freuten uns auf eine Tiefkühlpizza, doch zu unserer Überraschung war es eine selbstgemachte Riesenpizza! Nach dem Essen überkam die Burschen die Müdigkeit und sie legten sich bald schlafen. Ich habe noch bis 2 Uhr in der Früh an meinem Blog gearbeitet und den ersten Bericht online gestellt.
Montag
Am nächsten Morgen standen wir sehr spät auf. Frühstück gab es um 11.30 Uhr. Wir sahen alle schon ein bißchen fertig aus. Die letzten paar Tage haben uns doch ein bißchen zugesetzt. So fuhren wir erst um 14 Uhr los. Langsam ging es Hügel hinauf, Hügel hinunter.
Das Meer lag ruhig, die Möwen kr
eischten vereinzelt und auch eine Rentierherde ließ sich an diesem Tag blicken.
Ein Rudel Rentiere graste direkt am Meer. Jeder einzelne Kilometer dieses Tages war wunderschön. Wir sahen nach rechts zum Meer, und nach links zu den Hügeln, die oft sehr schöne Felsvorsprünge zu bieten hatten. In Olderfjord haben wir dann unsere „Mittagsrast“ um 17.30 Uhr abgehalten. Wie es gerade darum ging, Essen zu bestellen, fuhr ein sehr sportlicher Radler vor unser Fenster und setzte sich draußen hin und rauchte eine Zigarette. Sein Körper wirkte sehr muskulös, kein Gramm Fett zuviel an seinem Körper. Ein richtiger Natur- und Sportbursch. Aus seeinem Rucksack hing ein kleiner Schlauch. Diese Form des Flüssigkeitstransports nennt man Camelback (Kamele speichern nämlich ihren Wasservorrat in den Höckern). Unter Mountainbikern wird diese Form des Trinkens immer beliebter. Ich kann dieser Art nichts abgewinnen. Ich fahre nicht nur Rad, um möglichst schnell irgendwo zu sein, sondern auch um die Natur und Menschen während meiner Trinkpausen kennenzulernen, mit ihnen zu plaudern, oder auch Fotos zu machen. Martin merkte an, dass er niemals so aussehen möchte wie dieser Sportler und bestellte sich daraufhin den größten Burger, den es in Olderfjord zu kaufen gab. Peter schloss sich mit einer Riesenportion Chickennugetts an, während ich brav zwei Teller Gemüsesuppe löffelte, um mir wertvolle Vitamine zuzuführen. Vor dem Lokal waren in der Zwischenzeit unsere Räder die Hauptattraktion. Pensionisten aus Grießkirchen, die mit einem großen Reisebus ans Nordkapp fuhren und in Olderfjord eine kurze Pause einlegten umringten unsere Räder und fachsimpelten. Wir beobachten diese Szene sehr amüsiert, da keiner der Fachmänner über die körperliche Konstitution eines Radfahrers verfügte, eher die von Winston Churchill! Nach dem Mittagessen ging es ganz langsam weiter. 20-22 km/h waren unsere Spitzengeschwindigkeiten. Und trotzdem erreichten wir unser Ziel bevor die Sonne unteging. In Rabelvag schlugen wir unsere Zelte auf und gingen zufrieden aber müde nach einem sehr eindrucksvollen Tag zu Bett. Doch vorher war noch Duschen angesagt. Während ich auf das Duschgel wartete, das ich Martin geborgt habe, unterhielt ich mich mit einem Reiseradler, der ebenfalls in diesem kleinen Fischerdorf abgestiegen war.
Er kommt aus Bad Blumau und fuhr mit den
Hurtigruten ans Nordkapp, um von dort seine Tour nachhause in die schöne Steiermark zu beginnen. Leider hatte ihn schon am Anfang dieser Tour eine Darmgrippe erwischt, so dass er nur 60 Kilometer pro Tag schafft. Er tat mir sehr leid, und ich wünschte ihm viel Erfolg bei seiner Unternehmung!
Dienstag, 14. Juli
Wir standen wie üblich ein bisschen später auf (10.30 Uhr) und waren überrascht vom Wetterumschwung. Am Montag war es so schön, dass wir in kurzen Hosen radelten, am Dienstag nieselte es und es hatte ca. 10 Grad! Nebelschwaden zogen durch die Ortschaften, der Wind blies von allen Seiten. Zuerst frühstückten wir gemeinsam mit unserem steirischen Landsmann und er gab uns einige Tipps für den Nordkapp-Tunnel, vor dem wir größten Respekt hatten.
Er ist ca. 7 km lang, geht 200 Meter in die Tiefe und hat eine Steigung von 9 Pr
ozent. D
as erste Problem, die nasse Kälte stellte für uns kein Problem dar, da wir ja an diesem Tag die ganze Strecke mit dieser Unwirtlichkeit zu kämpfen hatten. Das zweite Problem war der Verkehr. Der schwedische Reiseradler behauptete, dass es viel Verkehr gäbe, unser Steirer sagte wiederum, dass der Verkehr an sich kein Problem sei, die Autofahrer und auch die Buschauffeure wären sehr rücksichtsvoll. Nur ein bisserl laut sei es halt. Er empfahl uns auch nicht auf dem Gehsteig im Tunnel zu fahren, da sich dort sehr viele Schlaglöcher, Gullis und Ausbuchtungen befänden.
Nun waren wir schon ein wenig nervös. Was wird uns wirklich erwar ten? Langsam näherten wir uns dem Tunnel. Das Wetter war wirklich grauslich, es kühlte noch mehr ab, der Regen wur
de stärker, ich konnte nur mehr 7 Gänge
bedienen, da der Umwerfer nicht zu bewegen war (dieses Problem werde ich in den nächsten Tagen lösen (lassen)). Auf einer Anhöhe trafen wir ein Radlerpärchen. Wir scherzten kurz, wie den dass Wetter jenseits des Hügels wäre und welche Strecke jeder heute noch zu absolvieren hatte. Im perfektesten britischen Englisch erzählten sie uns über ihre geplante Tour. Als ich sie fragte, wie lange sie noch in Norwegen bleiben würden, schauten sie mich ganz verduzt an. Sie seien Norweger, antworteten sie. Ich musste ihnen ein großes Kompliment für ihren britischen Akzent aussprechen und sagte, dass ich sie für Engländer gehalten hätte. Beide grinsten über beide Ohren und wir verabschiedeten uns freundlich.
Kurz vor dem Tunnel machten wir Halt. Wir zogen unsere Warnwesten an, setzten unsere Stirnlampen auf, befestigten Rücklichter auf unseren Rucksäcken und atmeten noch einmal tief durch. Martin hatte ein Übelkeitsgefühl und meinte, nach dem Tunnel werde er wohl dann sich übergeben müssen. Als alter Psychologe wußte ich aber, dass dies nur psychosomatische Erscheinungen vor dieser respektzollenden Strecke war. Wir beobachteten noch eine Herde Rentiere und dann ging es hinein in den Nordkapp-Tunnel! Langsam rollten wir die ersten paar Meter in den Berg. Vorsichtig tastete sich Martin als erster, Peter als zweiter und ich als dritter in den langen Schlauch. Nach wenigen Minuten hatten wir die volle Sicherheit. Der Tunnel war sehr breit, sehr gut beleuchtet, der Verkehr hielt sich in Grenzen. Das Positive an diesem Tunnel war auch, dass man die Autos bereits einen halben Kilometer vor ihrem Auftauchen hören konnte. Alle Autofahrer waren rücksichtsvoll und machten einen großen Bogen um uns. Durch die 9% Gefälle generierten wir sehr schnell Fahrtgeschwindigkeit und wir schossen den Tunnel hinab. Doch nach der Hälfte des Tunnels war die Talsohle erreicht und wir mussten 3,5 Kilometer wieder hochfahren. Eine große Anstrengung, die Martin und Peter mit Bravour ohne abzusteigen meisterten! Da ich nur 7 Gänge zur Verfügung hatte musste ich die letzten 2 Kilometer mein Rad schieben. Ich hatte einfach keine Kraft mehr mein Rad mit einer hohen Übersetzung weiter zu bewegen. Wie ich aus dem Tunnel kam (die letzten 500 Meter konnte ich wieder fahren) war ich vollkommen verschwitzt. Martin wollte zur Regeneration sofort eine Banane essen. Nach der zweiten Banane fragten wir ihn, wie es denn mit seiner Übelkeit aussehe. Da sagte er: „Ach die hab ich ganz vergessen!“. Ala Resümee können wir nun sagen, dass man keine Angst vor diesem Tunnel haben braucht, aber dass man gut trainiert sein muss, um ihn zu bewältigen.
Wenige Meter nach dem Tunnel gibt es eine Mautstation, bei der Kraftfahrer und Mitfahrer kräftig zur Kasse gebeten werden (124 Kronen! Für Autofahrer). Radfahrer werden einfach durchgewunken. Kurz vor Honnigsvag hatten wir noch zwei Tunnels zu bewältigen. Der erste war 124 Meter, der zweite fast 5 Kilometer lang. Bei beiden Tunnels hatten wir uns brav wieder unserer Ausrüstung bedient. Als wir in Honnigsvag eintrafen, waren wir fix und fertig. Es waren nur 55 Tageskilometer, aber durch den Wetterumschwung, den Wind und die Aufregung waren wir am Ende unserer Kräfte. Deshalb beschlossen wir in Honnigsvag zwei Tage zu bleiben. Wir siedelten uns in der wunderschönen Jugendherberge ein, wo wir unsere Wäsche wuschen und trockneten. Ich kochten den Burschen Spagetthi mit frischen Tomaten und frischem Basilikum, das wir bei einem REMA 1000 besorgt haben (mit unseren letzten norwegischen Münzen).
bekamen ganz leuchtende Augen und träumten bereits von Besteigungen. Ich träumte hingegen vom Meer, das sich noch ca. 80 Kilometer entfernt befand. Wir hatten es uns zum Ziel gesetzt dieses auch am Sonntag zu erreichen. Martin und ich stellten uns schon bildhaft vor, dass wir eine Stunde dann am Ufer sitzen und den Meeresrauschen lauschen werden – mit einem guten kühlen Bier. Peter stellte sich das ähnlich vor – mit einem gekühlten Cola (ja so sind heute wohlerzogene 16jährige !). Lange Abfahrten und kurze knackige Anstiege versüßten unsere Träume. Der Tacho zeigte Spitzengeschwindigkeiten in die eine und in die andere Richtung. Die Kilometer wurden immer weniger. Von einer kleinen Anhöher sieht man auf Leavdinja hinunter und sieht auch die gerade Abfahrt. Wir haben uns so gefreut, endlich am Meer zu sein. Doch leider, Leavdinja liegt ca. 1 Kilometer vom Meer entfernt, gibt touristisch nichts her, hat zwei überteuerte Hotels und ein Einkaufzentrum und das wars. Die Kirche liegt übrigens auf einer kleinen Anhöhe und ist nicht von architekturhistorischen Interesse. Wir waren enttäuscht! Wir wollten ein Bed & Breakfast – doch das gab es nicht. Also radelten wir müde (wir hatten schon 124 Kilometer in den Beinen) weiter, bis wir eine sehr hübsche norwegische Radlerin trafen, die uns sagte, dass es in ca. 15 Kilometer einen schönen Campingplatz gäbe. Also, nichts wie hin! Nach weiteren 4 Kilometern konnten wir das Meer wirklich sehen, bis dahin hatte sich die E6 zwischen der Zivilisation dahingeschlängelt.
Am Strand parkte ein deutscher Wohnwagen und der Besitzer erzählte uns ebenfalls von diesem Campingplatz, aber leider etwas ganz anderes: 1. Überteuert (sie verlangen dort für Strom fürs Wohnmobil 20 Euro), 2. Überheblich (der Vermieter habe sie herblassend behandelt), und 3. Schon voll. Wir dachten uns, dass es einen Versuch wert wäre, die beiden Versionen zu überprüfen und so sind wir nach kurzer Fahrt dort eingetroffen. Um es kurz zu machen: Es ist ein ganz hervorragender Campingplatz, ein Geheimtipp, nicht teuer, sehr freundlich, sehr kompetent, sehr zuvorkommend! Wir waren überaus glücklich wieder eine Hütte für uns zu haben (inkl. Dusche!! Und WC und Fernseher, Mikrowellenherd, Kühlschrank und gratis WLAN). Da wir um 23 Uhr noch Hunger hatten, fragten wir den Vermieter, ob es noch eine Pizza gäbe. Im ersten Moment verneinte er und sagte, die Küche sei ab 21 Uhr geschlossen. Wir waren natürlich enttäuscht, bis er uns freudig sagte, dass das jetzt nur ein Scherz gewesen sei. Natürlich mache er uns jetzt noch eine Pizza. Es dauere halt nur 30 Minuten bis sie fertig sei. Wir freuten uns auf eine Tiefkühlpizza, doch zu unserer Überraschung war es eine selbstgemachte Riesenpizza! Nach dem Essen überkam die Burschen die Müdigkeit und sie legten sich bald schlafen. Ich habe noch bis 2 Uhr in der Früh an meinem Blog gearbeitet und den ersten Bericht online gestellt.Montag
Am nächsten Morgen standen wir sehr spät auf. Frühstück gab es um 11.30 Uhr. Wir sahen alle schon ein bißchen fertig aus. Die letzten paar Tage haben uns doch ein bißchen zugesetzt. So fuhren wir erst um 14 Uhr los. Langsam ging es Hügel hinauf, Hügel hinunter.

Das Meer lag ruhig, die Möwen kr
eischten vereinzelt und auch eine Rentierherde ließ sich an diesem Tag blicken.
Ein Rudel Rentiere graste direkt am Meer. Jeder einzelne Kilometer dieses Tages war wunderschön. Wir sahen nach rechts zum Meer, und nach links zu den Hügeln, die oft sehr schöne Felsvorsprünge zu bieten hatten. In Olderfjord haben wir dann unsere „Mittagsrast“ um 17.30 Uhr abgehalten. Wie es gerade darum ging, Essen zu bestellen, fuhr ein sehr sportlicher Radler vor unser Fenster und setzte sich draußen hin und rauchte eine Zigarette. Sein Körper wirkte sehr muskulös, kein Gramm Fett zuviel an seinem Körper. Ein richtiger Natur- und Sportbursch. Aus seeinem Rucksack hing ein kleiner Schlauch. Diese Form des Flüssigkeitstransports nennt man Camelback (Kamele speichern nämlich ihren Wasservorrat in den Höckern). Unter Mountainbikern wird diese Form des Trinkens immer beliebter. Ich kann dieser Art nichts abgewinnen. Ich fahre nicht nur Rad, um möglichst schnell irgendwo zu sein, sondern auch um die Natur und Menschen während meiner Trinkpausen kennenzulernen, mit ihnen zu plaudern, oder auch Fotos zu machen. Martin merkte an, dass er niemals so aussehen möchte wie dieser Sportler und bestellte sich daraufhin den größten Burger, den es in Olderfjord zu kaufen gab. Peter schloss sich mit einer Riesenportion Chickennugetts an, während ich brav zwei Teller Gemüsesuppe löffelte, um mir wertvolle Vitamine zuzuführen. Vor dem Lokal waren in der Zwischenzeit unsere Räder die Hauptattraktion. Pensionisten aus Grießkirchen, die mit einem großen Reisebus ans Nordkapp fuhren und in Olderfjord eine kurze Pause einlegten umringten unsere Räder und fachsimpelten. Wir beobachten diese Szene sehr amüsiert, da keiner der Fachmänner über die körperliche Konstitution eines Radfahrers verfügte, eher die von Winston Churchill! Nach dem Mittagessen ging es ganz langsam weiter. 20-22 km/h waren unsere Spitzengeschwindigkeiten. Und trotzdem erreichten wir unser Ziel bevor die Sonne unteging. In Rabelvag schlugen wir unsere Zelte auf und gingen zufrieden aber müde nach einem sehr eindrucksvollen Tag zu Bett. Doch vorher war noch Duschen angesagt. Während ich auf das Duschgel wartete, das ich Martin geborgt habe, unterhielt ich mich mit einem Reiseradler, der ebenfalls in diesem kleinen Fischerdorf abgestiegen war.
Er kommt aus Bad Blumau und fuhr mit den
Hurtigruten ans Nordkapp, um von dort seine Tour nachhause in die schöne Steiermark zu beginnen. Leider hatte ihn schon am Anfang dieser Tour eine Darmgrippe erwischt, so dass er nur 60 Kilometer pro Tag schafft. Er tat mir sehr leid, und ich wünschte ihm viel Erfolg bei seiner Unternehmung!Dienstag, 14. Juli
Wir standen wie üblich ein bisschen später auf (10.30 Uhr) und waren überrascht vom Wetterumschwung. Am Montag war es so schön, dass wir in kurzen Hosen radelten, am Dienstag nieselte es und es hatte ca. 10 Grad! Nebelschwaden zogen durch die Ortschaften, der Wind blies von allen Seiten. Zuerst frühstückten wir gemeinsam mit unserem steirischen Landsmann und er gab uns einige Tipps für den Nordkapp-Tunnel, vor dem wir größten Respekt hatten.
Er ist ca. 7 km lang, geht 200 Meter in die Tiefe und hat eine Steigung von 9 Pr
ozent. D
as erste Problem, die nasse Kälte stellte für uns kein Problem dar, da wir ja an diesem Tag die ganze Strecke mit dieser Unwirtlichkeit zu kämpfen hatten. Das zweite Problem war der Verkehr. Der schwedische Reiseradler behauptete, dass es viel Verkehr gäbe, unser Steirer sagte wiederum, dass der Verkehr an sich kein Problem sei, die Autofahrer und auch die Buschauffeure wären sehr rücksichtsvoll. Nur ein bisserl laut sei es halt. Er empfahl uns auch nicht auf dem Gehsteig im Tunnel zu fahren, da sich dort sehr viele Schlaglöcher, Gullis und Ausbuchtungen befänden.
Nun waren wir schon ein wenig nervös. Was wird uns wirklich erwar ten? Langsam näherten wir uns dem Tunnel. Das Wetter war wirklich grauslich, es kühlte noch mehr ab, der Regen wur
de stärker, ich konnte nur mehr 7 Gänge
bedienen, da der Umwerfer nicht zu bewegen war (dieses Problem werde ich in den nächsten Tagen lösen (lassen)). Auf einer Anhöhe trafen wir ein Radlerpärchen. Wir scherzten kurz, wie den dass Wetter jenseits des Hügels wäre und welche Strecke jeder heute noch zu absolvieren hatte. Im perfektesten britischen Englisch erzählten sie uns über ihre geplante Tour. Als ich sie fragte, wie lange sie noch in Norwegen bleiben würden, schauten sie mich ganz verduzt an. Sie seien Norweger, antworteten sie. Ich musste ihnen ein großes Kompliment für ihren britischen Akzent aussprechen und sagte, dass ich sie für Engländer gehalten hätte. Beide grinsten über beide Ohren und wir verabschiedeten uns freundlich.Kurz vor dem Tunnel machten wir Halt. Wir zogen unsere Warnwesten an, setzten unsere Stirnlampen auf, befestigten Rücklichter auf unseren Rucksäcken und atmeten noch einmal tief durch. Martin hatte ein Übelkeitsgefühl und meinte, nach dem Tunnel werde er wohl dann sich übergeben müssen. Als alter Psychologe wußte ich aber, dass dies nur psychosomatische Erscheinungen vor dieser respektzollenden Strecke war. Wir beobachteten noch eine Herde Rentiere und dann ging es hinein in den Nordkapp-Tunnel! Langsam rollten wir die ersten paar Meter in den Berg. Vorsichtig tastete sich Martin als erster, Peter als zweiter und ich als dritter in den langen Schlauch. Nach wenigen Minuten hatten wir die volle Sicherheit. Der Tunnel war sehr breit, sehr gut beleuchtet, der Verkehr hielt sich in Grenzen. Das Positive an diesem Tunnel war auch, dass man die Autos bereits einen halben Kilometer vor ihrem Auftauchen hören konnte. Alle Autofahrer waren rücksichtsvoll und machten einen großen Bogen um uns. Durch die 9% Gefälle generierten wir sehr schnell Fahrtgeschwindigkeit und wir schossen den Tunnel hinab. Doch nach der Hälfte des Tunnels war die Talsohle erreicht und wir mussten 3,5 Kilometer wieder hochfahren. Eine große Anstrengung, die Martin und Peter mit Bravour ohne abzusteigen meisterten! Da ich nur 7 Gänge zur Verfügung hatte musste ich die letzten 2 Kilometer mein Rad schieben. Ich hatte einfach keine Kraft mehr mein Rad mit einer hohen Übersetzung weiter zu bewegen. Wie ich aus dem Tunnel kam (die letzten 500 Meter konnte ich wieder fahren) war ich vollkommen verschwitzt. Martin wollte zur Regeneration sofort eine Banane essen. Nach der zweiten Banane fragten wir ihn, wie es denn mit seiner Übelkeit aussehe. Da sagte er: „Ach die hab ich ganz vergessen!“. Ala Resümee können wir nun sagen, dass man keine Angst vor diesem Tunnel haben braucht, aber dass man gut trainiert sein muss, um ihn zu bewältigen.
Wenige Meter nach dem Tunnel gibt es eine Mautstation, bei der Kraftfahrer und Mitfahrer kräftig zur Kasse gebeten werden (124 Kronen! Für Autofahrer). Radfahrer werden einfach durchgewunken. Kurz vor Honnigsvag hatten wir noch zwei Tunnels zu bewältigen. Der erste war 124 Meter, der zweite fast 5 Kilometer lang. Bei beiden Tunnels hatten wir uns brav wieder unserer Ausrüstung bedient. Als wir in Honnigsvag eintrafen, waren wir fix und fertig. Es waren nur 55 Tageskilometer, aber durch den Wetterumschwung, den Wind und die Aufregung waren wir am Ende unserer Kräfte. Deshalb beschlossen wir in Honnigsvag zwei Tage zu bleiben. Wir siedelten uns in der wunderschönen Jugendherberge ein, wo wir unsere Wäsche wuschen und trockneten. Ich kochten den Burschen Spagetthi mit frischen Tomaten und frischem Basilikum, das wir bei einem REMA 1000 besorgt haben (mit unseren letzten norwegischen Münzen).
Hier nun einmal die Statistik für die ersten Tage.
8. Juli: 82,89 km in 5 Stunden 15 Minuten inkl. Kleiner Pausen
9. Juli: 108 km in 7 Stunden 27 Minuten
10. Juli: 85,06 km in 5 Stunden 20 Minuten
11. Juli: 136,6 km in 8 Stunden 13 Minuten
12. Juli: 143,9 km in 8 Stunden 44 Minuten
13. Juli: 98 km in 7 Stunden 21 Minuten
14. Juli: 55 km
Somit gesamt: 709,45 km in 7 Tagen


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